Gemeinderat Tuntenhausen

Neues Bauland in Tuntenhausen

von Redaktion

Wie viel Platz für neue Häuser braucht Tuntenhausen? Dieser Frage ging der Gemeinderat jüngst nach. Er beschloss nach längerer Diskussion, ein neues Baugebiet mit dem Namen „Tuntenhausen Nord Erweiterung“ auszuweisen. Zu klären ist noch, wer dort einziehen wird, die Anbindung und die Abwasserbeseitigung.

Tuntenhausen – „Es ist mal wieder an der Zeit, dass wir eine größere Fläche Bauland schaffen“, findet Bürgermeister Georg Weigl. „Es gibt Bedarf, ich bin überzeugt davon.“ Daher möchte die Gemeinde nun ein Gebiet nördlich der Siedlung „Tuntenhausen Nord“ ausweisen. Das letzte größere Areal, das die Gemeinde zum Baugebiet erklärt hatte, sei 2008 der jetzige Ahornweg in Schönau gewesen, erinnerte Weigl. Der Gemeinderat stimmte mit einer Ausnahme der Ausweisung zu.

Einen groben Umriss des Gebiets zeigte Weigl in der Sitzung. Genau würden die Flächen aber erst feststehen, wenn das beauftragte Büro Pläne entworfen habe. Die Hälfte der Parzellen sollen an Einheimische gehen, vor allem an die jüngeren Bürger. Und zwar möglichst kurzfristig: Dafür hat sich die Verwaltung für ein beschleunigtes Aufstellungsverfahren (Paragraf 13b Baugesetzbuch) entschieden.

Damit fallen laut Bürgermeister einige Verfahrensschritte weg, auch Ausgleichsflächen seien nicht nötig. Die Voraussetzungen, eine gewisse Mindestgröße und Anschluss an ein bestehendes Wohngebiet, seien erfüllt. Trotzdem werde es etwa ein Jahr dauern, bis Interessierte aktiv werden können. Im Innenbereich des Orts Tuntenhausen gebe es zwar noch Freiflächen, diese könne man aber nicht bebauen, „weil in der Regel die Eigentümer die Flächen nicht verkaufen“, fuhr Weigl fort. Daher weicht die Kommune an den Ortsrand aus.

Doch auch dort wird die Planung einige Schwierigkeiten zu überwinden haben. Vor allem geht es um die Anbindung der Grundstücke sowie die Entwässerung. Die Anwohner des Bergwegs möchten nicht, dass der zusätzliche Verkehr durch ihre Straße geführt wird. Eine neue Verbindung muss her, entweder zur Staatsstraße im Osten oder zum Fuchsbergweg im Westen.

Auch für das Oberflächenwasser des neuen Baugebiets muss eine Lösung gefunden werden. „Laut Wasserwirtschaftsamt und Landratsamt Rosenheim ist eine weitere Einleitung in den Lechnergraben ohne ein Rückhaltebecken nicht machbar“, sagte Weigl. Der zusätzliche Wasser-Stauraum ist nötig, da der Graben bereits das Regenwasser aus Tuntenhausen aufnehmen muss. „Die Auflage eines Rückhaltebeckens gibt es doch schon für den Moorweg“, erinnerte Theresia Englhart (Frauenliste). Dieses sei ebenfalls noch nicht gebaut, werde aber vielleicht gemeinsam mit der Nord-Erweiterung in Angriff genommen, war die Antwort. Einen Rückhalt auf jeder Parzelle brachte Johann Stürzer (CSU/FW) ins Spiel.

„Was ziehen

wir uns her?“

Viel Zeit wurde für die Diskussion über die Größe des Baugebiets und der Grundstücke verwendet. Theresia Englhart, die schließlich auch mit „Nein“ votierte, befürchtete zu viel Flächenversiegelung. „Das ist bebaute landwirtschaftliche Nutzfläche, 3,5 Hektar gutes Land, und dazu die Straßenanbindung“, zählte sie ihre Kritikpunkte auf.

Das Baugebiet sei ihr zu groß dafür, dass nur „16, 17 Grundstücke“ an Einheimische gehen würden. „Was ziehen wir uns her? Keine Einheimischen.“ Den Weg frei für neue Wohnungen innerhalb der Ortsgrenzen mache der Bauausschuss „in jeder Sitzung“. „Das ist unser Weg“, plädierte sie. Das reiche für ein ländliches Gebiet aus.

„Ihr kriegt gar nicht mit, was die Verwaltung ablehnt“, hielt Weigl dagegen. Seit 1984 sei in Tuntenhausen viel gebaut worden: „Ich will, dass die jungen Leute dableiben können.“ Man hätte bereits vor 30 Jahren „eine Käseglocke drüberstülpen“ können. Ferner liege die Einwohnerzahl seit etwa fünf Jahren stabil bei rund 7000 Bürgern. Die ausgewiesenen Grundstücke seien außerdem inzwischen kleiner als früher.

Allerdings gab er Englhart in einem Punkt recht: Auch Weigl findet, dass das Wachstum irgendwann für Tuntenhausen ausreiche. Gegenüber unserer Zeitung präzisierte er diesen Zeitpunkt: „Wenn die Vorhaben durch sind, die in der Pipeline sind.“ Also wenn die derzeitigen Projekte an der Fuchsbergstraße, im Ortszentrum und „Nord Erweiterung“ alle Prozesse durchlaufen haben. Dann werde Tuntenhausen etwa 200 Einwohner mehr haben, prognostiziert Weigl. Danach sollten mittelfristig nur noch Baulücken geschlossen werden, findet er. Eine nochmalige, so große Erweiterung passe nicht zum Ortsbild, sagte er im Interview.

Von der anvisierten Größe war auch Werner Marx (CSU/FW) „überrascht“, aber eine Halbierung sei in Bezug auf die Erschließung nicht machbar. Außerdem gebe es in Tuntenhausen sowieso viel Grün. Wenn man auf innerörtliche Flächen keinen Zugriff habe, müsse man „den bitteren Weg gehen“, fand auch Franz Reil (CSU/FW). Er rechnet damit, dass die Eigentümer der Grundstücke einige für den eigenen Nachwuchs zurückhalten würden – und dass sie beim Verkauf bedenken: „Will ich den Ort verändern?“

„Kein Vorstadtcharakter“

Für nur allgemeine Bebauungsvorgaben sprach sich Stürzer aus, um etwa Mehrgenerationenhäuser zu ermöglichen. Herbert Prechtl (SPD/FW) folgerte: „Umso kleinere Grundstücke, umso dichtere Bebauung, umso versiegelter.“ Man solle darüber nachdenken, gegen die Wohnungsnot „Quartiere“ und Gemeinschaftsflächen zu schaffen. Letztere müssten ab einer gewissen Größe sowieso eingeplant werden, so Weigl. Man habe keinen Grund zu verschwenden, aber er wolle keinen Vorstadtcharakter für Tuntenhausen, meldete sich Hans Thiel (CSU/FW) zu Wort.

Stefan Hofbauer (UW Ostermünchen) erkundigte sich, ob ein Artenschutz-Gutachten in Auftrag gegeben worden sei. „Haben wir machen lassen“, sagte Weigl. Die Betreuungsmöglichkeiten in Tuntenhausen sprach Maria Breuer (UW Ostermünchen) an, da in dem Gebiet auch Familien bauen sollen: „Der nächste neue Kindergarten muss nach Tuntenhausen.“ Außerdem regte sie Bodenuntersuchungen an. Letzteres könne man parallel zur Planung anstoßen, findet der Bürgermeister.

Marx fragte nach dem Fassungsvermögen der Kläranlage – denn durch „Tuntenhausen Nord Erweiterung“ würde deren Belastung steigen. Deren Kapazität liege bei 3500 Einwohnergleichwerten, sagte Weigl. Ein früheres Klärbecken könne aber mit wenig Aufwand reaktiviert und das Volumen damit fast verdoppelt werden.

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