Bad Aibling – Zwischen den beiden Siegerentwürfen aus einem Architektenwettbewerb für die Bebauung des Sport-Fischbacher-Areals an der Westend-/Münchner Straße musste der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung wählen. Weder der begleitende Architekt Stefan Roßteuscher („beide Entwürfe sind sehr unterschiedlich, beide haben eine sehr hohe Qualität“) noch Verwaltung oder Bauausschuss hatten eine Empfehlung abgegeben und auch für die meisten Stadträte war es letztlich eigenen Angaben zufolge eine Bauchentscheidung.
Klimaschutz als
wichtiges Thema
Dabei ging es nicht rein um Optik und Architektur, sondern auch um das Thema Klimaschutz und die optimale Möglichkeit, Dächer, Fassaden und Freiflächen hochwertig zu begrünen.
Diese Option hatte zunächst Andreas Leupold vom Büro Leupold Brown Goldbach Architekten aus München (LBGo) an seinem Entwurf eingehend erläutert. Dieser sah diverse Baukörper mit Satteldächern vor. Richtung Süden, „fernab vom Schall“, hingegen waren Terrassenwohnungen mit kräftiger Begrünung und viel Holz geplant. Der „Hochpunkt“ mit fünf Geschossen plus Dachgeschoss sollte hier eher mittig auf dem Areal errichtet werden.
Die Architekten Arge Steinsailer, Bessing/Brokmeier hingegen hatten den höchsten Baukörper bewusst vorne an die Westend-/Münchner Straße gesetzt und durchgehend mit Flachdächern geplant. „Wir wollen einen attraktiven Stadtbaustein schaffen, der als Ensemble erkennbar ist und einen konsequenten, modernen, innovativen Auftakt am Stadteingang setzt.“
Die Arge setzte im Gegensatz zu LBGo auf eine Durchgängigkeit des ganzen Geländes, um es „öffentlich erlebbar“ zu machen, samt einer „anger-artigen Aufweitung mit Aufenthaltsqualität“, während im Rücken der Anlage ein kleinerer interner Quartiersplatz vorgesehen ist.
„Grünpotenzial
bis zu 70 Prozent“
Hubert Steinsailer sprach von einem „Grünpotenzial von bis zu 70 Prozent“. Ein Aspekt, den Stephan Schlier (CSU) hervorhob: „Ich glaube, ich habe noch nie ein Bauwerk mit so viel Dachgrün gesehen.“ Allerdings sei auch noch eine Fassadenbegrünung von zehn bis 15 Prozent wünschenswert.
Wilhelm Bothar (parteilos) hingegen bezweifelte, dass sich die 70 Prozent Begrünung realisieren lassen. Auf die Architektur zielte Florian Weber (Bayernpartei), der die Flachdach-Variante als „katastrophal“ bezeichnete. Er befürchtete, dass dadurch ein „Sozialgefüge geschaffen wird, das alles andere als passend für Bad Aibling ist“. Zum Thema Begrünung und Klimaschutz meinte er: „Lasst uns erst mal dort mit Begrünung beginnen, wo schon Flachdächer vorhanden sind. Hier an dieser Stelle würde der Baustil das Ortsbild verschandeln.“ Er bat seine Ratskollegen mit eindringlichen Worten darum, das Ortsbild „nicht auf dem Altar des modernen Zeitgeistes zu opfern“. Dieter Bräunlich (ÜWG) plädierte ebenfalls für die Satteldach-Variante, wenn man „etwas für Bad Aibling Passendes schaffen möchte“. Vom ökologischen Gesichtspunkt her nähmen sich beide Entwürfe nicht viel.
Rudi Gebhart (ÜWG) zeigte sich eher skeptisch: „Was das Grün bei Planungen angeht, wird viel gemogelt.“ Er forderte, noch mehr auf Fotovoltaik auf den Dächern zu setzen und tendierte „aus dem Bauch heraus“ für die Variante mit Satteldach. „Die Flachdach-Lösung mit dem vielen Grün scheint mir übertrieben, weil es in Wirklichkeit nicht so aussehen wird.“
Ganz anders CSU-Rat Johann Schweiger: „Wir müssen umdenken und anders bauen. München hat den Klimanotstand ausgerufen, Bad Aibling handelt.“ Für ihn spielen die Themen Grün, Wasserspeicher, Regenwasserrückhalt und CO2-Bindung eine viel wichtigere Rolle als die Dachformen. „Gehen Sie mal in Altstädte. Da sehen Sie kein Dach. Die definieren sich alle über ihre Fassaden.“
Dass beide Entwürfe das Thema Nachhaltigkeit sehr ernst nehmen, erklärte Martina Thalmayr (GOL). Sie lobte die Wohnqualität und die Übergänge zur umliegenden Bebauung. „Es ist total schwierig, sich für einen der Entwürfe zu entscheiden. Das wird wohl aus dem Bauch raus geschehen.“
„Beide hochwertig
und ansprechend“
Ihre Fraktionskollegin Heidi Benda sah beide Entwürfe in der Diskussion zum Teil „harsch und vernichtend kritisiert“. In ihren Augen seien alle beide hochwertig und äußerst ansprechend. „Wunderbar finde ich das viele Grün.“ Sie tendierte zur Flachdach-Variante, bei der ihr auch das „öffentlich erlebbare Quartier“ gefiel. Mit 13:11 stimmte der Stadtrat schließlich für den von Steinsailer präsentierten Entwurf.
Auf Antrag von Richard Lechner (SPD) soll im Bebauungsplan festgesetzt werden, dass die Nutzung für großflächigen Lebensmittelhandel und Discounter ausgeschlossen ist. Zudem soll die Geländeoberkante an das Gehsteigniveau angepasst werden. Wie von Schlier gefordert, soll der Anteil an Fassadenbegrünung bei zehn bis 15 Prozent liegen.