Bad Aibling/Willing – Mit drei Jahren stand er bereits auf Skiern, noch heute ist er ein begeisterter Golfspieler: Dr. Karl Zillibiller aus Willing, der morgen, am 3. September, 90 Jahre alt wird.
Sportliche Aktivitäten ziehen sich wie ein roter Faden durch die Vita des Jubilars, der in Hindelang im Allgäu als viertes von fünf Kindern das Licht der Welt erblickte. Sein Vater war Käsefabrikant und betrieb mit seiner Frau eine Fremdenpension, nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war er für kurze Zeit Bürgermeister seiner Heimatgemeinde und saß anschließend von 1946 bis 1966 im Bayerischen Landtag.
Promotion
in Graz
Nach dem Abitur, das er 1951 in Oberstdorf machte, studierte Zillibiller zunächst zwei Semester Mathematik an der Ludwig-Maximilians-Universität in München, sattelte dann aber auf Betriebswirtschaftslehre um. Das BWL-Studium schloss er 1957 mit dem Master ab und promovierte ein Jahr später in Graz.
Bereits damals konnte der „leidenschaftliche Skifahrer“, als der sich das Geburtstagskind selbst beschreibt, auf erste Erfolge im Wintersport zurückblicken. Zillibiller ist heute das einzig noch lebende Mitglied der Deutschen Skinationalmannschaft, die die Bundesrepublik 1956 bei der Winterolympiade im italienischen Cortina d‘Ampezzo vertrat. 19. wurde er in der Abfahrt, Platz 24 errang er beim Slalom.
Etliche
Meistertitel
Bis dahin hatte er sich bereits etliche Meistertitel gesichert. 1950 und 1951 wurde er unter anderem deutscher Jugendmeister in der Kombination aus Abfahrt und Slalom. Im selben Wettbewerb wurde er während seines Studiums mehrfach Studentenweltmeister, hinzu kamen noch etliche erste Plätze bei Studentenmeisterschaften in Deutschland, Österreich und der Schweiz. 1955 gewann Zillibiller außerdem in der allgemeinen Klasse die deutsche Meisterschaft im Riesenslalom, die in Berchtesgaden ausgetragen wurde.
Beruflich übernahm der Jubilar bereits in jungen Jahren viel Verantwortung. Seine erste Stelle trat er am 1. September 1958 bei der Firma IBM in München an, heute ein börsenorientiertes amerikanisches IT- und Beratungsunternehmen. Er fungierte als wirtschaftlicher Berater im Bereich der Firmenbetreuung. Software, wie man sie jetzt kennt, spielte zu jener Zeit freilich noch keine Rolle. „Lochkarten waren das Modernste“, erinnert sich Zillibiller.
Damals knüpfte er auch erste zarte Bande zu seiner späteren Frau Sabine, die er im Januar 1960 heiratete. Deren Eltern gehörte die Walter Siebers KG in Bad Aibling – eine Firma für Import und Großhandel. Als Sabines Vater 1961 starb und sie mit ihrer Mutter plötzlich alleine die Verantwortung für das Unternehmen hätte tragen müssen, ließ sich Zillibiller bei IBM freistellen und stand den beiden Frauen tatkräftig zur Seite. Er leitete das Unternehmen, das über 30 Jahre lang bis zum Verkauf Ende 1992 mit einem Stand auf der Frankfurter Konsumgütermesse vertreten war, bis zum Schluss.
Als in den 80er-Jahren vermehrt Billigkonkurrenz im Bereich von Geschenkartikeln aufkam, wurde es immer schwieriger, die KG auf gesunden wirtschaftlichen Beinen zu halten. Deshalb verkaufte Zillibiller die Firma schließlich und ging anschließend in Rente. „Unsere langjährige Messepräsenz hat uns bei der Veräußerung sehr geholfen“, erinnert sich der 90-Jährige.
Er hatte nun mehr Zeit, sich dem Vereinsleben zu widmen, das er seit jeher pflegte. Heute ist Zillibiller Ehrenmitglied des Skiclubs Bad Aibling, den er vor dem Amtsantritt des langjährigen Vorsitzenden Meinrad Egger etliche Jahre leitete. Über 80 Jahre gehört er mittlerweile auch dem SV Hindelang an, dessen Ehrenmitglied er ebenfalls ist. Auch dem Alpenverein Bad Aibling hält er seit Jahrzehnten die Treue und trat 1993 in den Golfclub Maxlrain ein, dessen ältestes Mitglied er mittlerweile ist.
Das Golfspiel gehört noch heute zu seinen großen Leidenschaften. Zwei- bis dreimal pro Woche steht er auf dem Rasen. „Das macht mir großen Spaß. Golfen ist der einzige Sport, den man in diesem Alter noch aktiv betreiben kann“, sagt Zillibiller. Da spielt es für ihn eine untergeordnete Rolle, dass er sein Handicap als „altersgemäß 34“ bezeichnet. Dass er den Weg zum Golfplatz selbst mit dem Auto zurücklegen kann und sich noch als sicherer Fahrer fühlen darf, das freut ihn – ebenso der Umstand, dass die eine oder andere kleine Bergwanderung „noch drin ist“. Unter die Leute zu kommen und aktiv am Leben teilzunehmen, das sei für ihn wichtig, bekennt er.
Mit 77 Jahren baute das Geburtstagskind, das über 40 Jahre im sogenannten Hilz-Haus in Willing gelebt hatte, auf einem Grundstück nebenan noch ein Eigenheim. Der Tod seines ältesten Sohnes im Jahr 2016 und seiner Frau wenige Monate nach der diamantenen Hochzeit im Jahr 2020 waren zwei schwere Schicksalsschläge, die der Vater von vier Kindern und stolzer Opa von drei Enkeln verkraften musste.
Rund acht Jahre
die Ehefrau gepflegt
Rund acht Jahre lang hat er fast Übermenschliches bei der Pflege seiner Frau geleistet, die nach einem Schlaganfall rechtsseitig gelähmt war und zudem an einer schweren Störung des Sprachzentrums litt. „In dieser Zeit war ich nur drei Nächte nicht zu Hause“, erinnert sich Zillibiller. Umso dankbarer ist er, dass seine Tochter Maria mit ihrem Mann bei ihm eingezogen ist und ihn bei der Pflege seiner Frau unterstützte.
Die tägliche Lektüre des Mangfallboten, der regelmäßige Blick auf das Online-Angebot des OVB-Medienhauses und die Abendinformation durch die Tagesschau sind Rituale, die noch heute ein fester Bestandteil im Leben des Geburtstagskindes sind. „Man muss ja schließlich informiert sein“, sagt Zillibiller, dessen geistige Fitness ihn beispielsweise mühelos dazu befähigt, umfangreiche Passagen aus Schillers „Glocke“ ohne Stocken auswendig zu zitieren.
Zeitungslektüre in
Stuhl aus Flandern
Wenn er Zeitung liest oder fernsieht, dann sitzt er in einem über 100 Jahre alten Stuhl aus Flandern, der in seinem Wohnzimmer steht. „Den hat mein Vater einst aus dem Ersten Weltkrieg mitgebracht. Das ist für mich ein wertvolles Erbstück“, erzählt er.
Zillibillers langes Leben hält zweifellos ein großes Erinnerungspotenzial parat, er blickt aber auch jeden Tag freudig nach vorne und formuliert ohne Zögern seinen größten Wunsch. „Ich hoffe, dass der Kopf noch eine Zeit lang mitmacht, ich noch ein bisserl fit bleibe und mir meine Beweglichkeit erhalten kann.“