Fünfjährige stirbt bei Brand

von Redaktion

Ein fünfjähriges Mädchen ist bei einem Hochhaus-Brand in Puchheim (Kreis Fürstenfeldbruck) ums Leben gekommen. Sie hatte sich vor dem Feuer in einem Schrank versteckt. Die Ursache des Feuers ist bis jetzt unbekannt.

VON DIRK WALTER

Puchheim – Ein kalter Wind pfeift um die Hochhäuser in der Adenauerstraße in Puchheim. Überall liegen am Neujahrsmorgen Böllerreste herum, auch in Tonis Wirtshaus, dem einzigen Lokal mitten in der Siedlung, wurde offenbar kräftig gefeiert. Überreste der Silvesternacht säumen den tristen Flachbau. Gegenüber, am Eingang eines der Hochhäuser in der Adenauerstraße, zeugen Kerzen und ein Din-A4-Blatt mit dem Foto der fünfjährigen Vanessa von dem Unglück am Tag zuvor.

Gegen 13.30 Uhr war in einer Wohnung im achten Stock eines der Hochhäuser ein Brand ausgebrochen. Das Feuer muss sich blitzschnell in der Wohnung ausgebreitet haben. Denn obwohl sich nach Angaben des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord der Vater in der Wohnung befand, schaffte er es nicht mehr, seine Tochter Vanessa zu retten. Die Kleine hatte sich nach Angaben von Alexander Sabaraj, Sprecher der Feuerwehr Puchheim-Bahnhof, in einem Wohnzimmer-Schrank versteckt. „Für sie kam aufgrund der massiven Brandausbreitung leider jede Hilfe zu spät“, berichtet der Sprecher. Auch die versuchte Reanimation blieb erfolglos.

Der Vater erlitt eine schwere Rauchvergiftung und musste im Krankenhaus behandelt werden. Die Mutter war nicht zu Hause, als das Unglück geschah. Sie kam aber kurz darauf zurück, ein Kriseninterventionsteam betreute sie. Auch der Hund der Familie konnte gerettet werden.

In dem grauen 70er-Jahre-Hochhaus aus Waschbeton direkt am Puchheimer Bahnhof gibt es 72 Wohnungen mit mehr als 120 Personen, quasi ein halbes Dorf. Doch anonym sei das Leben in dem Hochhaus nicht, sagen Bewohner der umliegenden Wohnungen. Sie haben die Nacht in Pensionen verbracht, nun kehren sie zurück, um ihre verqualmte Einrichtung zu lüften. Einige kannten die Familie. „Nette Leute“, sagt einer. Die Eltern des Mädchens lebten schon einige Jahre in dem Hochhaus. Der Vater ist Schweizer, die Mutter stammt aus der Slowakei. Vanessa war der Wirbelwind der Familie, „eine süße Maus“, sagt ein Bewohner.

Die Brandursache ist unklar, nicht einmal das Zimmer, in dem das Feuer ausbrach, ist zweifelsfrei bekannt. Brandfahnder der Kripo Fürstenfeldbruck ermitteln. „Wir kamen gerade vom Einkaufen, ich bin noch rauf und habe meinen Sohn rausgeholt“, erzählt ein Mann, der im 9. Stockwerk wohnt. Da war das Treppenhaus schon ziemlich verqualmt. Einige Mieter versuchten noch, den Aufzug zu benutzen, doch weil dichter Rauch im Schacht waberte, flüchteten sie dann doch lieber über die Treppe ins Freie. Dort kam ihnen auch der Vater entgegen, der nur entsetzt abgewunken habe – in der Wohnung wütete das Feuer, niemand konnte da mehr hinein.

Tiefe Reifenspuren eines Feuerwehrfahrzeugs im Rasen und ein rot-weißes Absperrband weisen auch am Tag danach auf den Einsatz hin. Als die Feuerwehr mit einem Drehleiterfahrzeug eintraf, schlugen helle Flammen aus der Wohnung. Erst Feuerwehrleute mit schwerem Atemschutz schafften es, in die Wohnung einzudringen, erklärt der Puchheimer Feuerwehr-Sprecher. Aber da war es schon zu spät.

Im kompletten achten Stockwerk sind die Wände nun schwarz wie die Nacht. Überall Ruß. Die Hausverwaltung, so erzählen die Bewohner, habe versprochen, unbürokratisch zu helfen. Draußen, rechts am Eingang, flackern die Kerzen im Gedenken an Vanessa. Das Gedicht unter ihrem Foto, das sie mit ihrer Mama zeigt, endet mit den Zeilen: „Im Himmel, wo es sie nun gibt, erzählt sie stolz: Ich werde geliebt.“

Artikel 10 von 11