Das Geheimnis des Weihnachtssterns

von Redaktion

Eine Adventszeit ohne ihn ist für viele undenkbar: Aber warum versetzt uns gerade der Weihnachtsstern in adventliche Stimmung? Und wo kommt das Gewächs überhaupt her? Eine Spurensuche – inmitten von 15 000 Weihnachtssternen.

VON FRANZISKA KONRAD

Neubiberg – Ein leuchtend rotes Pflanzenmeer, dazu angenehme 17 Grad – und adventliche Stille. Auf 3500 Quadratmetern gedeihen im Gewächshaus des Gartencenters Seebauer in Neubiberg (Landkreis München) derzeit etwa 15 000 Weihnachtssterne, sie warten auf ihren großen Einsatz zur Adventszeit.

Langsam und bedacht läuft Volker Höpken durch die langen Reihen. Der Gärtnermeister schaut nach links und rechts. Ruckartig bleibt Höpken plötzlich stehen. Behutsam stellt er ein umgefallenes Exemplar auf. „Ich mag die Weihnachtssterne einfach wahnsinnig gerne. Die sind mein Steckenpferd – schon seit 14 Jahren“, schwärmt er. „Jedes Jahr freue ich mich darauf, wenn die Pflanzen wieder in unser Gewächshaus kommen.“ Über seine Schützlinge weiß der 42-Jährige bestens Bescheid: „Ursprünglich stammt der Weihnachtsstern aus Südamerika, genauer Mexiko.“ Dort wächst die Pflanze nicht im kleinen Töpfchen, sondern als großer Strauch. Nicht selten mehrere Meter hoch.

Zweimal täglich schwärmt Höpken aus und kontrolliert. Brauchen die Sterne etwas Dünger? Haben sich Schädlinge breit gemacht? Auf einmal unterbricht ein lautes Rauschen die Stille: Wasser sprudelt aus dem Abfluss, ein Teil der Topfpflanzen wird überflutet. Mittendrin steht Höpken – mit einem iPad in der Hand. „Gedüngt und gewässert wird bei uns seit zwei Jahren mit dem iPad“, erklärt er. Nach wenigen Minuten fließt das Wasser ab. Der Durst der Pflanzen ist gestillt.

In den deutschen Wohnzimmern begann der Siegeszug des Weihnachtssterns in den 70er-Jahren. Am beliebtesten ist bis heute der rote Klassiker. „Etwa 70 Prozent der verkauften Sterne sind rot“, sagt der Neubiberger. Trotzdem sucht er immer wieder nach neuen Sorten – gut 20 verschiedene hat er heuer zu bieten. Darunter „Glitter“, ein rotes Exemplar mit weißen Sprenkeln. Übrigens Liebling des Gärtnermeisters. „Die sind so kunterbunt. Von denen sieht kein Einziger gleich aus“, schwärmt Höpke, während er mit dem Finger behutsam an einem Blatt entlangfährt.

Der Weihnachtsstern, vom Botaniker Euphorbia pulcherrima genannt, ist jedoch nicht nur in Deutschland begehrt: Auch in England gehört das Gewächs zum Weihnachtsfest mit dazu. Bei den Franzosen ist der Stern als Liebesblume bekannt – nicht nur an Weihnachten. In China gibt es sie ebenfalls das ganze Jahr über zu kaufen. Ihr kräftiges Rot steht dort ganz im Zeichen des Kommunismus.

An sich ist die Pflanze pflegeleicht. Eines gilt es jedoch zu beachten: das Licht. Im Herbst sollte sie täglich etwa 12 bis 14 Stunden im Dunkeln stehen. Volker Höpken warnt: „Sonst verfärben sie sich und werden wieder grün.“ Mittlerweile stehen die ersten Exemplare in den Geschäften. So richtig los geht es dann ab dem ersten Advent. „Am Anfang verkaufen wir mehr Rosatöne, je näher Weihnachten rückt, umso lieber kaufen die Leute rote Sterne“, weiß Höpken. Nach dem Fest der Liebe muss das Gewächs aber nicht zwingend in den Müll wandern. Im Gegenteil. Wichtig zum Überwintern sind ein heller Standort mit der passenden Temperatur, etwa 17 Grad, gute Erde und nicht zu viel Wasser. Dunkelheit kann man simulieren, zum Beispiel durch das Überstülpen eines Schuhkartons.

Mit der richtigen Pflege können die Pflanzen durchaus alt werden – und groß. Ein Kunde präsentierte Höpken einst stolz ein Foto von seinem Seebauer-Weihnachtsstern. Der war inzwischen etwa zwei Meter hoch.

Aber wie schaut er eigentlich aus, der perfekte Weihnachtsstern? „Eine gute Pflanze erkannt man daran, wenn auch die unteren Blätter saftig grün sind“, erklärt Höpken. Außerdem müssen alle kleinen Blüten in der Mitte noch drin sein. „Irgendwann verfärben sie sich und fallen aus. Dann ist klar: Der steht schon lange.“

Warum ausgerechnet der Weihnachtsstern zur Adventszeit so beliebt ist, kann der Gärtnermeister nur vermuten. „Ich schätze, das liegt an der Symbolik des Sterns. Außerdem passt sein Rot einfach perfekt zu Weihnachten“, findet er. Wenn nach Heiligabend alle Exemplare weg sind, steht das riesige Gewächshaus erst einmal leer – bis Mitte Februar. Statt der roten Sterne duften dann würzige italienische Kräuter, Orchideen und andere kunterbunte Blumen im Gewächshaus.

Artikel 6 von 11