Ein Loblied auf das Gute an der guten alten Zeit

von Redaktion

„Ich sehne mich in die Vergangenheit zurück“ – dieser Satz, zu lesen irgendwo im Inneren des Buches – könnte auch das Motto dieses Werks sein, in dem so vieles beklagt wird, das sich zum Schlechteren verändert hat. Vor allem die Älteren, also alle, die sich älter, klüger und weiser fühlen als die Jungen (und wer will zu dieser Gruppe nicht gehören?), werden sich angesprochen fühlen von dem Wunsch, der zum Titel geworden ist: „Und erlöse uns von den Blöden“.

Die Kabarettistin Monika Gruber, die seit ihrem Bühnendebüt vor bald 20 Jahren für klare Worte steht, steckt hinter diesem Traktat, das den Untertitel „Vom Menschenverstand in hysterischen Zeiten“ trägt. Vermutlich sind die Zeiten schon länger hysterisch, doch Corona war unübersehbar der Impuls, dieses Buch zu schreiben – zusammen mit dem Journalisten und Autor Andreas Hock. Es geht, natürlich, um die Krise, die die Menschen auseinanderzubringen scheint. Aber jenseits der Aktualität geht’s im bekannten Gruberschen Furor auch gegen den Zeitgeist, gegen alles, was aus ihrer Sicht dringend diskutiert werden muss – der Trend zur Aufhebung der Geschlechtergrenzen, Raucher, Autofahrer und Fleischesser als Feindbilder par excellence, Eltern, die ihre Kinder vergöttern, das Ende der Freundlichkeit.

Das könnte alles bierernst formuliert sein, aber zum Glück gesellt sich sowohl bei Gruber als auch bei Hock viel Witz zur Verve, beide singen ein Lied auf das Gute an der guten alten Zeit, Widersprüche werden herausgearbeitet, etwa, wenn, wie Gruber referiert, in Bayern der Gebrauch eines Wortes wie „Weiber“ sanktioniert wird, „Bitch“ und „Hure“ in Texten von Rappern aber in Ordnung gehen. Nicht jede Watschn trifft – davon abgesehen ist „Und erlöse uns von den Blöden“ jedoch ein echtes Lesevergnügen, das nur die nicht komisch finden werden, die verlernt haben, über sich selbst zu lachen.  rog

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