Sterblichkeit steigt durch Corona deutlich

von Redaktion

VON KATRIN WOITSCH

Fürth – Mehr als 13 000 Menschen in Bayern sind seit Beginn der Pandemie an oder mit Corona gestorben. „Das sind tausende Großeltern und Eltern, die schmerzlich fehlen“, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Er präsentierte gestern in Fürth die Sterbefall-Statistik. Zumindest phasenweise sind die Todeszahlen in Bayern durch Corona deutlich in die Höhe geschnellt. Diese Zahlen ließen keinen Zweifel an der Gefährlichkeit des Virus, betonte Herrmann.

Besonders sichtbar wird das in der Kurve für die Sterbezahlen der Über-80-Jährigen. Während die Statistik bei den Unter-60-Jährigen kaum Auffälligkeiten zeigt, ist bei den Senioren ein deutlicher Anstieg im April und November 2020 zu sehen. „Die Zahl der Todesfälle überstieg in diesen Wochen den Schnitt der Sterbezahlen aus den Vorjahren signifikant“, betonte Herrmann. Schon bei den 60- bis 79-Jährigen liegen die Zahlen während der ersten und zweiten Corona-Welle sichtbar über dem Durchschnitt. Bei den Über-80-Jährigen ist der Anstieg gravierend. Im April 2020 lag die Zahl der Verstorbenen in dieser Altersgruppe knapp 30 Prozent über den Vorjahreswerten, im November rund 20 Prozent und im Dezember sogar 50 Prozent, berichtete Herrmann und betonte: „Diese Statistik widerlegt klar die Verharmlosungen der Corona-Leugner.“ Bayernweit waren die Sterbezahlen während der ersten Corona-Welle im April 2020 um 21 Prozent angestiegen. Der Vergleichswert ist ein Durchschnitt der Sterbezahlen von 2016 bis 2019. Im November 2020 zu Beginn der zweiten Corona-Welle lag die Sterbefallzahl bayernweit um zwölf Prozent über dem Schnitt, im Dezember sogar um 35 Prozent.

Für den gesamten Freistaat lässt sich zwar in den ersten zehn Monaten des vergangenen Jahres keine erhöhte Sterblichkeit feststellen. Auf regionaler Ebene ist allerdings schon im Frühjahr 2020 ein Anstieg zu beobachten. In sieben bayerischen Landkreisen lag die Zunahme der Sterbefälle damals über 50 Prozent, zum Beispiel in Rosenheim (+86 Prozent), Traunstein (+57 Prozent) oder Tirschenreuth (+135 Prozent).

Für diese Sonderauswertung hat das Landesamt für Statistik die Zahlen bis einschließlich November untersucht. Für Dezember, Januar und Februar liegen Rohdaten aus den Standesämtern vor. Die Daten sind zwar noch nicht vollständig, die Zahlen seien aber dennoch aussagekräftig und von hoher statistischer Validität, betonte Thomas Gößl, der Präsident des Landesamts. Demnach hat das Jahr 2021 auf dem Sterblichkeitsniveau begonnen, auf dem 2020 aufgehört hatte. Allerdings zeichnet sich in der Kurve bereits die Wirkung der Impfungen ab. Bei den Über-80-Jährigen ist die Sterblichkeit im Februar deutlich unter den Durchschnittswert gesunken, auch bei den 60- bis 79-Jährigen ist der Rückgang bemerkbar. Die für Februar ermittelte Sterbefallzahl liegt um 4,5 Prozent unter dem Schnitt der Vorjahre. „Sollte sich dieser positive Trend infolge der voranschreitenden Impfungen bestätigen, wäre das ein großer Schritt in die richtige Richtung“, sagte Herrmann hoffnungsvoll. „Die Impfungen sind der Schlüssel zur Normalisierung unseres Alltags.“ Da der Großteil der Menschen aber noch nicht geimpft sei, müssten die Maßnahmen weiterhin konsequent umgesetzt werden. „Ohne Lockdown wären die Todeszahlen noch deutlich stärker nach oben gegangen.“

Bemerkbar mache sich laut Herrmann in der Statistik auch, dass die Grippewelle in diesem Winter durch die Corona-Maßnahmen ausgeblieben ist. Er betonte jedoch auch, dass sich die Zahlen großteils auf das Virus beziehen, mit dem die Pandemie begonnen hatte – nicht auf die britische Variante, die sich in Deutschland immer stärker ausbreitet. „Wir können noch nicht einschätzen, wie sich diese Mutation auf die Sterblichkeit aller Altersgruppen auswirken wird.“

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