Gehard Berberich, Leiter der Tafel Holzkirchen, bringt Zoltán Pataki die wichtigen Lebensmittel. © Thomas Plettenberg
Holzkirchen – Immer mehr Menschen können sich das Leben im teuren Münchner Umland nicht mehr leisten. Die Tafeln vor Ort sind für sie eine wichtige Hilfe. Bis Weihnachten möchten wird deshalb ihre wertvolle Arbeit vorstellen und sie mit Ihnen, liebe Leser, unterstützen. Heute wird Rollstuhlfahrer Zoltán Pataki von der Tafel Holzkirchen im Kreis Miesbach beliefert.
Seit über drei Jahren hat Pataki seine Wohnung nicht mehr verlassen. Der 77-Jährige lebt nach der Teilamputation des Fußes im dritten Stock ohne Aufzug. Bevor er krank wurde, war Pataki ein Arbeitstier. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich einmal in einer solchen Situation lande“, erzählt er. Dennoch ist er dankbar. Vor allem für die Unterstützung durch die Tafel. Schon vor der Amputation war er auf diese Hilfe angewiesen. Seine Rente reichte nicht. „So viele freundliche Menschen, die sich von ganzem Herzen für andere einsetzen.“
Auf die Tafelhelfer freut er sich immer noch. Seit er im Rollstuhl sitzt, beliefert ihn die Tafel jeden Samstag. Es sind nicht nur die Lebensmittel, die für Pataki so wichtig sind, vor allem die Zeit, die sich die Helfer für ihn nehmen. „Für einen Moment bin ich nicht alleine“, sagt der gebürtige Ungar. „Von diesen Gesprächen lebe ich zwei oder drei Tage, dann kann ich mich schon auf den nächsten Samstag freuen.“ Beim letzten Besuch hatte ihm ein Freund eine 125 Zentimeter lange Salami mitgebracht. „Da konnte ich jetzt ein Stück als Danke für eine Helferin aus Holzkirchen abschneiden.“
Gerne würde der ehemalige Caritas-Mitarbeiter aus seinen 36 Quadratmetern in eine behindertengerechte Sozialwohnung ziehen. Ebenerdig, damit er aus dem Haus kann. Solche Wohnungen sind in Holzkirchen rar. „Es ist nicht so, dass sich niemand kümmert, aber es gibt noch nichts Passendes.“ Die erste Wohnung hat er nicht bekommen, in der zweiten waren die Türen zu schmal für den Rollstuhl.
Seit drei Jahren sitzt er in seiner Wohnung fest. Mit Schmerzen im Fuß, die ihn nie loslassen. Einmal in der Woche bekommt er Besuch von einem Bekannten aus Ungarn, Freunde hat er kaum mehr. „Man ist nicht so begehrt in meiner Lebenssituation.“ Die Tage sind lang, wenn man sie alleine verbringt. So hat Zoltán Pataki angefangen zu schreiben. Seine Geschichte, die seiner Heimat. Das Buch muss noch ins Deutsche übersetzt werden.
Pataki hatte einst viele Jahre in Graz bei der Caritas gearbeitet und bei Familienzusammenführungen im ehemaligen Jugoslawien geholfen. Irgendwann konnte er die Kriegsgeschichten nicht mehr ertragen. „Da habe ich beschlossen, neu anzufangen.“ In Holzkirchen, als Koch und später als Taxifahrer. Alles war gut. Bis zu einem Unfall, nach dem er nicht mehr fahren durfte. Kleinere Aufträge als Dolmetscher fielen für den Rentner irgendwann weg. Dann kam Diabetes dazu. „Ich möchte gar nicht klagen, sondern die Chance nutzen, Danke zu sagen. Bei den Menschen der Tafel, die sich für mich und all die anderen einsetzen.“ DORIT CASPARY