Anklagen wegen Steueroase im Forst

von Redaktion

Sechs Manager einer Hypovereinsbank-Tochter sollen sich vor Gericht verantworten

Der Seegrasstadl im Ebersberger Forst galt lange als Steueroase. © Privat

Ebersberg – Als „Fichtenpanama“ machte der Seegrassstadl im Ebersberger Forst Schlagzeilen. Nun wird die Steueroase im Landkreis Ebersberg wieder ein Fall fürs Gericht. Denn das Landgericht München II hat entschieden, gegen sechs Manager einer Tochterfirma der Hypovereinsbank (HVB) einen Gerichtsprozess anzusetzen. Der Sprecher des Landgerichtes München teilt auf Anfrage mit, dass den Beschuldigten Steuerhinterziehung „in einer unterschiedlichen Anzahl von Fällen“ vorgeworfen werde. „Die Staatsanwaltschaft geht in ihrer Anklage von einem Steuervorteil von 16,8 Millionen Euro aus“, so ein Gerichtssprecher.

Den sechs Beschuldigten könne, falls ein besonders schwerer Fall von Steuerhinterziehung nachgewiesen werden würde, eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren drohen. Laut Staatsanwaltschaft München II werde nicht allen Beschuldigten das Gleiche vorgeworfen. Die Pressestelle der HVB wollte sich mit Verweis auf das laufende Verfahren nicht äußern, auch nicht, ob die Beschuldigten nach wie vor für Firmen der HVB tätig sind.

Die Steueroasen-Posse rund um den Seegrasstadl im Ebersberg geht bereits in das dritte Jahrzehnt. In der laut Steuerfahndung illegalen Steueroase waren mehrere Fonds der Hypovereinsbank gemeldet. Dort bezahlten sie einen Steuer-Hebesatz von 200 Prozent. In der Landeshauptstadt, dem Sitz der Bank, wären rund 490 Prozent fällig geworden. Nutznießer war das Landratsamt Ebersberg. Seit Rosenheimer Steuerfahnder 2018 intervenierten, streiten die Stadt München und der Landkreis um die Gewerbesteuergelder. Bislang mit besserem Ende für den Landkreis Ebersberg. Ob die Landeshauptstadt weitere rechtliche Schritte einleiten will, ließ die Kämmerei gestern unbeantwortet.CHRISTIAN SCHÄFER

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