DAS PORTRÄT

Ein Ehepaar mit sieben Ziegen und einer Idee

von Redaktion

Kathrin und Peter Manusch aus Seehausen. © Wilz

Wenn Kathrin und Peter Manusch mit ihren sieben Ziegen unterwegs sind, ergattern sie häufig neugierige Blicke. Und auch die Ziegen reagieren neugierig auf andere Spaziergänger. Die Tiere seien sehr sozial, erklärt Kathrin Manusch. Deshalb halten sie und ihr Mann die Ziegen in Seehausen (Kreis Garmisch-Partenkirchen) nicht nur zur Milchproduktion. Gegen einen geringen Unkostenbeitrag können Gruppen bis zu acht Personen Zeit mit den Tieren verbringen – im Stall, auf dem Gelände oder bei einem Spaziergang. Auch für Menschen mit körperlichen und seelischen Erkrankungen soll dieses Angebot gelten. Zeitweise haben die Manuschs ihre Ziegen-Wanderungen für die Klinik Hochried angeboten. Aus organisatorischen Gründen musste das Projekt auslaufen. Doch vorher war die Resonanz positiv, berichtet Kathrin Manusch. Kinder und Jugendliche mit ganz unterschiedlichen Diagnosen waren mit der Herde unterwegs. Ihr Mann erinnert sich an einen Jungen, der ganz apathisch in seinem Rollstuhl saß. „Dann hat Leona ihn sanft mit der Lippe an der Hand berührt und er war wie elektrisiert, ist aufgewacht und wollte sie anfassen.“

Bei diesen Begegnungen zwischen Mensch und Tier passiert vieles ohne Worte. Ziegen suchen sich ihre Person aus und umgekehrt. Kinder mit ADHS seien häufig von dem kastrierten Bock Paul angetan, weil er so ein selbstsicheres Auftreten hat. Ruhige Patienten orientieren sich eher an Leona, die mit ihren 13 Jahren die älteste und erfahrenste Ziege ist. Wichtig ist Kathrin Manusch zu betonen, dass diese Interaktionen ohne Zwang stattfinden. Kein Tier wird festgehalten, damit es sich streicheln lässt. Wenn es den Ziegen zu viel wird, wenden sie sich ab. Sie dürfen sich genauso frei bewegen wie die Besucher. „Es ist etwas Beidseitiges, auch die Ziegen finden das schön“, sagt die 59-Jährige. Zukünftig will sie das Ganze weiter ausbauen. Etwa kann sie sich vorstellen, spezielle Angebote für Demenzkranke zu schaffen. Während einem Ziegen-Spaziergang Richtung Seniorenheim begegneten sie Bewohnern, die sich über die Tiere freuten. Bei einigen kamen Kindheitserinnerungen hoch. Manuschs boten ihnen frisch gemolkene Ziegenmilch an. „Das waren berührende Momente“, erzählen sie.CONSTANZE WILZ

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