Der Angeklagte im Gerichtssaal in Memmingen. Der Vorwurf: Totschlag.
Memmingen – Sie hatte eine Drei-Millionen-Immobilie in München geerbt, unterstützte ihren Freund Markus G. (39) mit 40.000 Euro und beim Abstottern seines Hauskredits – doch als Valerie M. im August 2024 von zwei verschwiegenen Kindern ihres Partners erfuhr, wollte sie sich trennen und forderte ihr Geld zurück. Kurz darauf lag die 36-Jährige erwürgt, mit gefesselten Händen und in Mülltüten gestopft in einem Grab im Wald bei Lauben.
Seit Ende April muss sich Landwirt Markus G. wegen Totschlags vor dem Landgericht Memmingen verantworten. Seitdem fährt Valeries Schwester, die ehemalige Geschäftsführerin der Reitschule am Englischen Garten, täglich zum Gericht, um dem Angeklagten in die Augen zu sehen: „Ich hätte nie gedacht, dass man so getäuscht werden kann in seiner Menschenkenntnis. Er hat alle manipuliert“, sagt sie.
Kaum zu ertragen war für sie, wie der Angeklagte „Valli“ schlechtzureden versuchte. „Niemand weiß, was ich durchgemacht habe“, sagte Markus G. „Mal lag sie drei Wochen nur im Bett, dann wollte sie die Welt abreißen und durch Wände gehen“, schilderte er das Auf und Ab in der fünfjährigen Beziehung.
Am Tattag sei es zum Streit gekommen, weil sie das anderthalbjährige Kleinkind nicht zum Einschlafen bringen konnte. „Sie rief, sie hat keinen Bock mehr auf den Scheiß und warf das Kind vor mir auf den Boden.“ Er habe das Mädchen beruhigt, habe sie danach zur Rede gestellt. „Sie schimpfte, dass ich nichts auf die Reihe kriege und ging mit den Schuhen auf mich los.“ Dann hätten sie auf dem Boden gerangelt. Er habe die Hundedecke und das Hundekissen genommen und auf sie draufgedrückt. „Ich wollte ihr einfach eine Lektion erteilen und zeigen, dass man mit mir nicht so umgeht.“
Die Fakten sprechen eine andere Sprache: 55 Minuten nach der Tat vom 5. August 2025 chattete G. mit einer Affäre, die er kurz darauf zum Sex traf. Sein achtjähriger Sohn brach erst nach Monaten sein Schweigen und beichtete, dass er alles mitansehen musste: „Papa hat die Valli richtig gequält“, sagte er aus. Als sie verschwunden war, habe er mit einem Riesenbündel Geld gewedelt. Tatsächlich sind 30.000 Euro verschwunden, die Valerie M. für einen Pferdeanhänger abgehoben hatte.
Ihre Schwester fordert eine Verurteilung wegen Mordes, auch wenn sie weiß: „Keine Strafe kann Valerie wieder zurückholen, ihre Kinder werden immer ohne sie aufwachsen.“ Das Urteil soll am 26. Juni fallen.