Neue Schau zu NS-Reichsparteitagen

von Redaktion

Fakten statt Fälschungen: Ausstellung in Nürnberg will Geschichte greifbar machen

Die Überreste eines Reichsadlers mit Hakenkreuz in der Vitrine. © Karmann/dpa (2)

Ein „Braunhemd“ der SA ist in der neuen Dauerausstellung ausgestellt.

Adolf Hitler im Auto bei seiner Ankunft auf dem Zeppelinfeld anlässlich des Reichsparteitages 1935 in Nürnberg. © Scherl/pa

Nürnberg – Hunderte Exponate, interaktive Elemente und eine Antwort auf historische Fälschungen durch KI im Internet – nach fünf Jahren Umbau öffnet das Nürnberger Dokumentationszentrum seine neue Ausstellung zum ehemaligen NS-Reichsparteitagsgelände. Diese ist mit 1600 Quadratmetern nicht nur deutlich größer, sondern schlägt auch ein neues Kapitel auf. Heute startet die Schau deshalb zunächst im Probebetrieb, offizielle Eröffnung ist im November. Bis dahin will das Team die Technik und die neuen Vermittlungsformate zusammen mit den Besuchern testen.

Anhand von 500 Original-Dokumenten, 250 Objekten und visuellen Elementen erzähle die Ausstellung die Geschichte und Bedeutung des Reichsparteitagsgeländes – und fordere die Besucher immer wieder auf, einen thematischen Bezug zu heute herzustellen, sagte Leiter Imanuel Baumann. Ein großes Kapitel widme sich erstmals der Rolle des Geländes während des Zweiten Weltkriegs mit neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen zu Zwangsarbeit und Deportation.

Ein Spaten vom Reichsarbeitsdienst, ein hölzerner Reichsadler, Scheinwerfer von der Zeppelintribüne und NS-Fahnen machen greifbar, wie die Nationalsozialisten das riesige Areal im Südosten der Stadt für ihre Machtdemonstration benutzten. Es ist das erste Mal, dass das Dokzentrum Baumann zufolge mit Objekten arbeitet. Den Kuratorinnen war dabei besonders wichtig, diese so zur Schau zu stellen, dass sie nicht wie NS-Devotionalien wirken. Die Fahnen etwa sind gefaltet, der Adler in Einzelteilen in die Vitrine gezwängt.

Neu sei, dass die Ausstellung ihre historischen Quellen und den Umgang damit offenlege, sagte Kuratorin Melanie Wager. Bei jedem Foto oder Dokument fänden die Besucher einen Hinweis, wo das Original herkomme. „Dadurch wollen wir zeigen: Museen sind Orte des Vertrauens“, sagte Baumann. Im Gegensatz zum Internet, wo viele gefälschte historische Dokumente, Bilder oder Videos im Umlauf seien.

Von 1933 bis 1938 inszenierten die Nazis ihre Parteitage in Nürnberg. Etwa eine Million Menschen kamen dafür laut Wager in die Stadt. Als Kulisse diente das elf Quadratkilometer große Areal, das aber eine Großbaustelle blieb. Das Zeppelinfeld und die Haupttribüne sind die einzigen Bauten, die fertiggestellt wurden und noch heute erhalten sind.

Rund 300.000 Menschen aus aller Welt kommen jährlich, um sich dort über die NS-Vergangenheit zu informieren. Da kaum noch Zeitzeugen leben, gewinnen die steinernen Zeugnisse des Größenwahns der Nazis an Bedeutung. Deshalb möchte die Stadt das Gelände bis Ende 2030 zu einem Lernort ausbauen. Im Inneren der Zeppelintribüne soll eine Ausstellung und im von den Nazis genutzten Bahnhof Dutzendteich ein Besucherzentrum entstehen.DPA

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