„Er duad wiara Rumplstilz“, sagt man im Bairischen. Gemeint ist ein Mensch, der sich mächtig aufregt und richtig wütend ist. „Rumpelstilzchen“ ist ein Märchen aus der Sammlung der Brüder Grimm. Auch wenn Rumpelstilzchen darin nicht gut wegkommt, hege ich Sympathien für das kleine Wesen – besonders wenn der Postmann nicht zweimal klingelt. Aber der Reihe nach. Zunächst lässt sich die Müllerstochter in diesem Märchen viel zu viel gefallen.
Sie widerspricht nicht, als ihr Vater vor dem König prahlt, sie könne Stroh zu Gold spinnen. Sie entzieht sich nicht, als der König einen Beweis für ihr vermeintliches Können verlangt, weil der Schnösel sie nur in diesem Fall heiraten will. Sie weiß sich nicht zu helfen und zu wehren. Da kommt Rumpelstilzchen ins Spiel. Es sorgt drei Nächte lang dafür, dass die Müllerstochter aus trockenen Halmen Gold produzieren kann.
Jedoch verlangt es als Belohnung eine Halskette, einen Ring und das erstgeborene Kind. Es sei denn, die junge Frau findet den Namen des Helferleins heraus. Und tatsächlich – sie errät den Namen Rumpelstilzchen und bleibt samt Kind wohlbehalten. Rumpelstilzchen ist so sauer, dass es das kleine Wesen schier zerreißt. Ich bin zwar solidarisch mit der jungen Müllerin. Aber ich kann auch Rumpelstilzchen.
Vor allem, wenn ich durch Internetbestellungen für Gold, also Profit bei Produzenten sorge – und der Fahrer der Unternehmen zwar am Haus anhält. Aber eilends aussteigt, um einen vorbereiteten Zettel einzuwerfen, auf dem steht, er habe mich nicht angetroffen. Obwohl ich zu Hause bin. Er klingelt nicht – weder bei uns, noch bei den Nachbarn. Frustriert bin ich wie die Müllerin und wütend wie Rumpelstilzchen.
Ich warte zu Hause und könnte das Paket annehmen. Auflauern kann ich dem fahrenden Boten nicht – was weiß ich, wann er kommt. Aus dem Fenster winken und rufen, falls ich ihn zufällig sehe, zeigt keine Wirkung. Er winkt bestenfalls zurück und braust davon. Mit meinem Paket.
Vor einiger Zeit schrieb ich einen flammenden Brief an eine Firma, die es mit der griechischen Mythologie hat. Sie nennt sich nach einem Götterboten, der Gott der Kaufleute, der Reisenden, des Verkehrs und der Diebe ist. Ich schrieb wegen des vielen leeren Strohs, das auf ihren Benachrichtigungszetteln gedroschen wird. Rumpelstilzchen wäre begeistert gewesen. Es gab zwar weder Gold noch andere Entschädigungen wie Ringe und Halsketten. Aber Besserung wurde feierlich gelobt und bislang sogar praktiziert. Märchenhaft. Und das Beste: Es hat mich nicht zerrissen. Vielleicht ist meine Rumpelstilzchen-Nummer besser, als ich dachte.