Sperrbezirk-Hit unerwünscht

von Redaktion

Bannbrief für Bergkirchweih: Zwölf Lieder sollen nicht gespielt werden

Die Erlanger Bergkirchweih findet bis 1. Juni statt – mit bis zu einer Million Besucher. © Imago

Sie hatten noch nie Ärger wegen ihres Sperrbezirk-Hits: die Spider Murphy Gang. © IMAGO

Erlangen – Er läuft auf der Wiesn und eigentlich überall, wo Menschen auf Volksfesten feiern. Nur auf der berühmten Bergkirchweih in Erlangen soll „Skandal im Sperrbezirk“, der große Hit der Spider Murphy Gang, heuer nicht zu hören sein. Die Gleichstellungsstelle der Stadt will, dass das Laster dort keine Chance hat. Sie hat den Wirten eine Liste mit zwölf Liedern geschickt – mit der Bitte, sie auf dem Fest nicht zu spielen.

Ein Stadtsprecher sagte auf Anfrage unserer Zeitung, man habe „den Wirtinnen und Wirten der Bergkirchweih eine Übersicht von Liedern übergeben, die nach der Analyse der städtischen Gleichstellungsstelle problematische Inhalte transportieren oder in bestimmten Kontexten für diskriminierende, sexistische oder menschenfeindliche Stimmung genutzt werden“.

Mit auf der Liste „sexistischer und frauenfeindlicher Lieder“ (siehe Kasten) stehen Titel wie „Layla“, „20 Zentimeter“, „10 nackte Friseusen“ oder „Olé, wir fahr’n in’n Puff nach Barcelona“ – und eben: „Skandal im Sperrbezirk“. Laut Gleichstellungsstelle stellt das Lied „Sexarbeit als Unterhaltungsobjekt dar und enthält stereotype, abwertende Begriffe. Es verherrlicht Prostitution, objektifiziert Frauen und trägt zur Stigmatisierung von Sexarbeit bei.“

Der Vorstoß der Gleichstellungsstelle sorgt für Kritik: Der Landesvorsitzende der FDP Bayern, Matthias Fischbach, schimpfte über „überzogen woke Symbolpolitik auf Kosten der Steuerzahler – und Bevormundung mündiger Wirte, Bands und Festbesucher“. Ein Sprecher der Stadt Erlangen betonte gegenüber unserer Zeitung aber, dass es sich „nicht um eine Verbotsliste“ handle.

Das bestätigt Erlangens Oberbürgermeister Jörg Volleth (CSU) auf Anfrage unserer Zeitung. „Die Gleichstellungsstelle ist da unabhängig. Wenn sie eine solche Liste rausschickt, ist das im Rahmen ihres Initiativrechts möglich. Für mich ist die künstlerische Freiheit aber wichtiger.“ Er kündigt an: Trotz des Briefes darf weiterhin jeder spielen, was er möchte. Die Liste sei „rechtlich nicht bindend für die Wirte oder die Künstler, die da auftreten“, verspricht der OB. „Es gibt keine Konsequenzen, falls sich jemand nicht daran hält.“ Er selbst sei ein freiheitsliebender Mensch, sagte Volleth. „Es kann jeder essen, was er möchte, oder hören, was er möchte. Es gibt Lieder, die ich nicht mag – aber verbieten würde ich sie deshalb nicht.“

Die Spider Murphy Gang wollte ihren Platz auf der Lieder-Liste auf Anfrage nicht kommentieren. Ihr Konzertveranstalter Lothar Schlessmann sagte dazu nur: „Wir haben erst am 10. April in der ausverkauften Lades-Halle in Erlangen gespielt – natürlich auch das Lied „Skandal im Sperrbezirk“. Da war’s jedenfalls kein Problem – es gab keine Beanstandungen.“THOMAS GAUTIER

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