Da staubt es: Bauer Simon Wallner unterwegs auf seinem trockenen Acker im Kreis Dachau. © privat/Wallner
Bioputen sind das eigentliche Produkt des Betriebs. Aber Simon Wallner macht das Futter selbst. © A. Schmidhuber
Sojabohnen halten Trockenheit etwas besser aus, deshalb baut Simon Wallner sie seit einigen Jahren an. © ast
Bitte mehr Regen! Landwirt Simon Wallner zeigt seinen Weizen. Jetzt bilden sich die Körner heraus (rundes Bild) – und die Pflanze braucht dafür dringend ausreichend Wasser. © Astrid Schmidhuber
Goppertshausen – Simon Wallner (62) ist erleichtert. Der Mai hat seinen Feldern wenigstens ein bisschen Wasser gebracht. Nicht viel, aber immerhin. Doch der Blick auf den Wetterbericht bereitet ihm Sorgen. Hohe Temperaturen, Sonnenschein – und wieder kein Regen. Der Frühlingsniederschlag, wie Meteorologen die Zeit von Anfang März bis Ende Mai nennen, ist heuer besonders mau (Grafik). Nur 85 Liter pro Quadratmeter sind bisher vom Himmel gekommen, der April war besonders trocken.
Wasser ist für den Bauern aus Goppertshausen (Kreis Dachau) grundlegend. Vor allem für den Weizen und Hafer, den Wallner anbaut. „Wenn es in den nächsten drei Wochen überhaupt nicht regnet, reduziert die Weizenpflanze die Ährenlänge und die Korngröße. Beim Hafer bemerkt man jetzt schon eine Verringerung“, erklärt er. Bei zu wenig Niederschlag rechnet Wallner mit bis zu 20 Prozent weniger Ertrag. „Wenn es den ganzen Juni trocken bleibt, wäre das eine Katastrophe!“
Eine gute Ernte ist die Basis seiner Existenz. Denn er verarbeitet das Getreide zu Tierfutter weiter. Dieses füttert er an seine Bioputen. Mehrere Tausend hat er davon. Das Fleisch verkauft er in seinem Hofladen und an Betriebe in ganz Oberbayern. „Systemkreislauf“ nennt Wallner das. Dieser ist aber durch die veränderten Wetterbedingungen immer mehr bedroht. Trockenperioden gab es laut dem Deutschen Wetterdienst (DWD) immer wieder: 1911, 1929, 1953 oder 1972 regnete es auch nicht viel. Ein Faktor habe sich aber seit etwa 20 Jahren verändert: „Durch ein höheres Temperaturniveau und eine Zunahme der Sonnenscheindauer haben die Verdunstungsraten zugenommen“, so ein DWD-Klimaexperte. Regnet es dann länger nicht, sei die Trockenheit intensiver.
Bereits das Winterhalbjahr (Oktober bis März) entscheidet über die Bodenqualität. „Im Winter befinden sich die Pflanzen in Winterruhe, zudem verdunstet aufgrund niedriger Temperaturen und kurzer Tageslänge deutlich weniger Wasser über den Boden“, erklärt der DWD-Experte. Dieses Jahr gab es deutlich zu wenig Niederschläge. Auch der Bayerische Bauernverband blickt gen Himmel. Vor allem für die Getreidekulturen sei jetzt die entscheidende Zeit zum Wachsen. Bei fehlendem Regen könnte es zu weniger Erträgen kommen. Alarmstimmung herrscht aber bisher nicht. „Die Situation ist zwar angespannt, aber derzeit entstehen noch wenige Schäden“, teilte der Verband mit.
In der Region zwischen Regensburg und Deggendorf wurde das größte Defizit von 60 bis 70 Prozent gemessen. Das Landesamt für Umwelt verzeichnete in Bayern für April einen Flächenniederschlag von nur 17 Litern pro Quadratmeter. Damit fällt der April unter die vier trockensten Messmonate seit Aufzeichnungsbeginn. In Südbayern war es mit damals elf Litern nur im Jahr 2007 trockener, in Nordbayern 1946, 2020 – und 2007, wo nur traurige sieben Liter pro Quadratmeter fielen. In Bayern müsste es jährlich 941 Liter pro Quadratmeter regnen, damit die Pflanzen gut versorgt sind. Dieser Wert wird immer öfter nicht mehr erreicht. In den vergangenen Jahren traf es vor allem Franken und die Gebiete nördlich der Donau. Dieses Jahr regnet es bisher in den Regionen südlich der Donau weniger als im Norden.
Hinzu kommt die Problematik mit dem sinkenden Grundwasser. Vor allem in Städten wie München, Landshut, Regensburg oder Kelheim ist die Lage angespannt. Aber auch in der Bergregion rund um Garmisch-Partenkirchen, Aschau oder Bayerischzell ist der Grundwasserspiegel sehr niedrig. In Pastetten im Landkreis Erding und in Oberhaching sind die Messstationen sogar rot hinterlegt: Neuer Niedrigstwert erreicht.
„Wenn es wenig regnet, sinkt der Grundwasserspiegel und die Pflanzen haben auch von unten keinen Wasserspeicher mehr“, sagt Wallner. Der Wasserbedarf hängt auch vom angebauten Produkt ab. Bei Winterweizen zum Beispiel sind es 500 Liter pro Quadratmeter, bei Silomais 360 Liter, bei einer Heuwiese 700 Liter. Zudem ist für jede Pflanze eine andere Regenzeit gut für das Wachstum.
Der Bauer aus Dachau stellt fest: „Die Philosophie besteht aus der Vielfalt.“ Bedeutet: Viele Bauern setzen mittlerweile auf mehrere und resistentere Pflanzen. Wallner baut seit einigen Jahren neben Weizen und Hafer auch Sojabohnen an. „Zurzeit braucht die Bohne nicht so viel Wasser, aber regnet es die nächsten Monate nur wenig, sieht es da auch schlecht aus.“ Damit die Bohnen besser versorgt werden, setzte Simon Wallner heuer die Saat sogar zwei Zentimeter tiefer in die Erde. Das reicht aber womöglich nicht. „Damit wir weiter davon leben können, brauchen wir genügend Regen.“