Mai 2025: Der Forggensee, ein Stausee bei Füssen im Allgäu, ist ausgetrocknet. © Allgöwer/Picture Alliance
München – Am 11. Juli 2025 war es so weit. In Bad Königshofen, einer Kurstadt in Unterfranken, durften die Bürger ihre Pools nicht mehr befüllen, ihre Autos nicht mehr waschen, den Rasen nicht mehr sprengen. Wochenlang kein Regen, die Grundwasserpegel viel zu niedrig – da sprach der Bürgermeister das Wasserspargebot aus. Das passierte nicht zum ersten Mal. Unterfranken ist eine der trockensten Regionen Deutschlands. Aber auch im 400-Einwohner-Dorf Solla in Niederbayern mussten im Sommer Molkerei-Lastwagen wochenlang Trinkwasser anliefern.
Bayern hat ein Wasserproblem. Nicht überall ist es so dramatisch wie in Teilen Unterfrankens, Niederbayerns und der Oberpfalz, aber die Staatsregierung muss sich angesichts des fortschreitenden Klimawandels Gedanken über die Wasserversorgung machen. Das Umweltministerium geht von einer „Generationenaufgabe“ aus. Die Strategie „Wasserzukunft Bayern 2050“ verfolgt mehrere Optionen – zum Teil sind sie spektakulär.
Eine Möglichkeit: Grundwasser aus Schwaben über Fernleitungen ins besonders trockene Nordbayern schicken. Im Blick ist das Gebiet um Oberndorf im Kreis Donau-Ries. Dort mündet der Lech in die Donau, der Lechspitz gilt als wasserreichste Region Bayerns. Schon jetzt fließt Wasser über eine Fernleitung nach Franken, vor allem in die Metropolregion Nürnberg – das Netz könnte ausgebaut werden, um Wasser auch in die Oberpfalz zu schaffen. Große Wasservorräte gäbe es auch in der Talsperre im tschechischen Nyrsko, nicht weit vom bayerischen Furth im Wald entfernt. Mit dem Nachbarland wären Versorgungsverträge denkbar. Vielleicht in Kombination mit der Lech-Option? Oder baut der Freistaat sogar eine neue Talsperre? Das wäre die dritte nach Mauthaus in Oberfranken und Frauenau im Bayerischen Wald.
Noch ist offen, was davon umgesetzt wird. Jörg Drewes, Professor für Siedlungswasserwirtschaft an der TU München, lobt aber die Initiative an sich. 2050 klingt zwar weit entfernt – „aber 25 Jahre sind nicht lange, wenn man über große Infrastrukturprojekte verhandelt“, sagt der Experte. Eine neue Talsperre hält Drewes für unrealistisch. Entscheidend sei, dass die Wasserversorgung auf mehreren Beinen steht – für den Fall, dass ein Bereich ausfällt. Neben dem Ausbau eines Fernwasserleitungsnetzes müssten viele kleine Maßnahmen die Versorgung stabilisieren. Zum Beispiel, indem Fließgewässer gestärkt sowie Flächen und Städte entsiegelt werden – nur so habe der Boden eine Schwammfunktion, könne Wasser für trockene Zeiten speichern.
Im Umweltministerium wurde auch mal überlegt, Wasser aus dem Bodensee abzupumpen und mit Fernwasserleitungen in ganz Bayern zu verteilen. Doch davon ist man aus Kostengründen abgerückt, Drewes geht von 4,3 Milliarden Euro aus – das hat eine Studentin mit einem Ingenieurbüro durchgerechnet. Die großen Seen in Oberbayern sind laut Drewes zu klein, um Wasser zu entnehmen. Schon jetzt sei das Volumen „schlicht nicht da“. 2050 würde es auch keine Abflüsse von Gletschern oder tauenden Permafrostböden mehr geben – weil die dann nicht mehr existieren. Die Entwicklung müsse man schon heute einplanen.
Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (FW) ist optimistisch: „Die weiteren Weichen für die Zukunft einer sicheren öffentlichen Wasserversorgung in Bayern sind gestellt.“ Schon jetzt arbeiten Gemeinden über Wasserzweckverbände zusammen. Aktuell gibt es laut einem Ministeriumssprecher elf Fernwasserversorger, die 2,6 Millionen Menschen beliefern. Weitere 2,4 Millionen könnten es werden – auch wenn noch unklar ist, wie die Maßnahmen dafür aussehen. Noch gebe es keine „regionalen Vorüberlegungen“.CARINA ZIMNIOK