Prien – Vor 18 Jahren hatte Klaus Pasedag die Schulleitung für den Grundschulbereich der Freien Waldorfschule Chiemgau übernommen. „Nun kann ich für meinen Unruhestand auch dieses Kapitel beenden“, fügt er schmunzelnd hinzu. Seine Aufgaben hat er an Thomas Bauer als neuen Schulleiter übergeben.
„Ich bin froh, dass ich mir, wenn nötig, die Meinung meines Vorgängers weiterhin einholen kann“, freut sich Bauer über de harmonische Übergabe. Dabei ist er selbst alles anderes als neu. Bereits seit 1988 ist der in der Münchner Au aufgewachsene Pädagoge an der Priener Schule. Er studierte für das Lehramt an Hauptschulen Mathematik im Hauptfach und für die damals notwendige Nebenfächerkombination Biologie, Physik und Sport. Bis zum ersten Staatsexamen blieb er diesem Weg treu.
Als er jedoch im privaten Umfeld auf die Waldorfpädagogik aufmerksam wurde, war ihm klar: „Hier will ich anknüpfen.“ An der Freien Hochschule in Stuttgart absolvierte er das Studium zum Waldorflehrer. „Nach meinem Abschluss habe ich mich an drei Schulen beworben. Als ich die Zusage aus Prien erhielt, sagte ich sofort alles andere ab, für unsere damals noch fünf-, später achtköpfige Familie war und ist Prien ein idealer Lebens- und Arbeitsmittelpunkt.“
Seit 31 Jahren ist er nun im Chiemgau und ist mit dem Schulbetrieb an der Bernauer Straße sehr vertraut. 20 Jahre arbeitete er im Personalkreis, im siebten Jahr ist er im Vorstand des Schulvereins. „Und ich bin mit Leib und Seele Klassenlehrer“, so Bauer. Seine weitere Leidenschaft, der er sowohl privat als auch beruflich nachgehen kann, sind die Berge. Er wandert, klettert oder fährt mit dem Mountainbike.
Seit 2012 verantwortet er an der Schule deshalb auch die Alpenüberquerung, die die Jugendlichen in der 9. Klasse bewältigen. Jedes Jahr geht er mit den Schülern in elf Tagen von der Kampenwand bis zu den Drei Zinnen in Südtirol. Er erlebt dabei immer wieder, wie die Klassengemeinschaft erschöpft, jedoch glücklich und stolz ans Ziel gelangt.
Dass man den Weg kennt, ihn aber trotzdem immer wieder gehen muss und es keine Routine gibt, ist für ihn auch der Bogen zu seinem Wirken als Klassenlehrer an der Waldorfschule. In diesem Schuljahr unterrichtet er seine Klasse im zweiten Jahr. Bis zum 8. Schuljahr darf er sie begleiten, eines der Prinzipien der Waldorfpädagogik.
Selbst immer ein
Lernender bleiben
Und obwohl er eine Klasse von der ersten bis zur achten Klasse nun zum dritten Mal komplett betreut, wird er selbst immer Lernender bleiben. „Wir müssen uns trauen, Fantasie zu haben, diese umzusetzen und uns gemeinsam mit den Kindern Neues zu erarbeiten. Dies ist besser als die reine Anwendung eines ausgefeilten Konzeptes“, so Thomas Bauer. „Unterrichtsthemen, die wir Lehrer uns selber hart erarbeiten, in meinem Fall zum Beispiel Geschichte, fallen den Kindern leichter.“
Neue Lehrer an der Schule müssen sich deswegen auf die Pädagogik einlassen, mit dem Generationenwechsel steht auch der Priener Schule eine große Aufgabe bevor, in den nächsten Jahren werden fortlaufend Lehrer gesucht.
Pasedag, der am Münchner Seminar weiterhin für die Ausbildung zuständig ist, ergänzt: „Die Lehrerbildung war für mich in den vergangenen Jahren als Schulleiter ein zentrales Thema. Hier können wir als Ausbildungsort Schule noch mehr leisten.“
Eine kleine Anekdote haben der scheidende und der neue Schulleiter auch zu erzählen: Sie haben jeweils den ältesten Sohn des anderen in den Klassen eins bis acht unterrichtet – auch das erzeugt Vertrauen.
Seiner neuen Aufgabe sieht der siebenfache Großvater Bauer gelassen entgegen: „Klaus Pasedag hat mir ein hervorragend gepflegtes Netzwerk und gute Kontakte zu den regionalen Grundschulen hinterlassen. Dies möchte ich weiter wachsen lassen.“