Ich denke oft an Ungarn

von Redaktion

Zum Bericht „Ungarn startet in die Systemwende“ (Politikseiten):

Als die Durchsage kam, im letzten Waggon des Zuges würden DDR-Bürger über Österreich in die Bundesrepublik Deutschland ausreisen, erstaunte mich dann doch das rasante Tempo, mit dem die Erosion eines Unrechtssystems ihren Lauf nahm.

Zuvor war auf meiner Fahrradtour von Wien nach Budapest im Spätsommer 1989 in Gesprächen mit Menschen aus dem deutschen Arbeiter- und Bauernstaat ein Zweifel am Weiterbestehen dieser sozialistischen Diktatur nicht herauszuhören, obwohl die Bilder von der Grenze zu Österreich zeitgleich „Volksgenossen“ mit strahlenden Gesichtern zeigten, die sich in Richtung Westen auf den Weg machten.

Bei der ungarischen Grenzstadt Sopron war es auch, wo am 27. Juni 1989 beim symbolträchtigen Durchtrennen des Grenzzauns durch die Außenminister von Österreich und Ungarn der Eiserne Vorhang des Ostblocks begann zu fallen und somit das Ende des Kalten Krieges eingeläutet wurde.

Mit dem Vorstellen seines neuen, kompetenten Kabinetts findet Ungarn nun unter der Führung von Péter Magyar auf die Spur zurück, auf der Ungarn zu Zeiten des damaligen Ost-West-Konflikts so bahnbrechend in Richtung freiheitlicher Stabilität für Ungarn und Europa unterwegs gewesen ist.

Wie in Deutschland liegen jetzt die politischen Kernherausforderungen in der Überwindung der Lethargie – zum Beispiel in den Bereichen Gesundheit, Renten und nicht zuletzt Wirtschaft.

So wünsche ich den Ungarn bei ihrem Neustart von Herzen die pfingstliche Power: Veni creator spiritus (Komm, Schöpfer Geist). „Wo aber der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit.“ (2Kor 3,17)

Hans Jürgen Langer

Rosenheim

Artikel 4 von 11