Zum Interview „In Deutschland fehlt Verbindlichkeit“ (Regionalseiten):
Der Brennerzulauf und die verbundenen Straßensperrungen, Bahnplanungen und Umweltbelastungen sind häufige Themen bei den Leserbriefen. Der Waren- und Personenverkehr ist leider ein notwendiges Übel, welches reduziert werden könnte. Ich will es sachlich betrachten und nicht die Schuld einer Personengruppe zuschieben.
Über den Brenner fahren täglich 6.500 Lkw und 32.000 Pkw. Das ergibt eine enorme Umweltbelastung durch Lärm, Abgase und Verkehrschaos.
Bei den Lkw lässt sich die Umweltbelastung am deutlichsten errechnen. Ein schwerer Lkw braucht für die Strecke Innsbruck bis Bozen (120 Kilometer) circa 40 Liter Diesel und erzeugt durch die Verbrennung, was für einen Laien unverständlich ist, 100 Kilo CO2. Dies ist ein unsichtbares Gas, welches sich im Boden, in Pflanzen, im Wasser und in der Atmosphäre ablagert. Presst man dieses CO2 in einen Behälter, dann ist das Gewicht messbar wie Sand und Kies. So werden täglich 650 Tonnen CO2 auf der genannten 120 Kilometer langen Strecke abgelagert.
Jetzt kommt noch die Umweltbelastung der 32.000 Pkw hinzu. Diese Berechnung gilt auch für die Autobahnstrecke Inntaldreieck bis Innsbruck (110 Kilometer). Diese Belastungen erzeugen Unmut bei den Anliegern und bringen Sperrungen im Straßenverkehr.
Zugegeben: Wir alle fahren gerne nach Italien und essen italienisches Obst und Gemüse. Aber jeder von uns ist auf irgendeine Art ein Umweltsünder. Kurz gesagt: Wir sollten mehr mit der Bahn fahren und den Nordzulauf und Umweltschutzmaßnahmen unterstützen.
Martin Mayer
Ramerberg
Wer die Debatte um den Brenner-Nordzulauf verfolgt, gewinnt einen bemerkenswerten Eindruck: Eine ganze Region kämpft mit beeindruckender Energie – vor allem gegen sich selbst. Die Bürgerinitiative kämpft gegen neue Gleise. Der Landkreis kämpft für mehr Tunnel. Die Gemeinden kämpfen für Lärmschutzwände. Nur eine Frage stellt fast niemand mehr: Was soll Rosenheim aus diesem Milliardenprojekt herausholen?
Lukas Iffländer, Vorsitzender von Pro Bahn, stellt im OVB-Interview klar: Der Nordzulauf kommt. Das sollte auch in Rosenheim ankommen. Der Widerstand mag im Einzelfall absolut berechtigt sein, und niemand soll mit seinen Anliegen alleingelassen werden, aber er darf nicht die einzige Antwort bleiben. Denn während man sich an der Trasse abarbeitet, laufen in Wien und Rom Planungen, die darüber entscheiden, welche Städte entlang dieser Achse zu Gewinnern gehören.
Schon 1982 wurde Rosenheim übergangen: Die Rosenheimer Schleife sorgte dafür, dass ÖBB-Railjets seither an der Stadt vorbeirauschen. Jetzt droht dasselbe Muster in weit größerem Maßstab. Die Kernforderungen des Landkreises zeigen die Schieflage: Tunnelmeter, Flächenschutz, Aushubtransport – alles wichtig, aber es ist die Sprache der Anwälte und Ingenieure zur Schadensbegrenzung, nicht der Gestaltung.
Ein Fernverkehrshalt auf der neuen Strecke, eine echte Anbindung Rosenheims an die Achse München–Verona: kein Thema. Der fünftgrößte Landkreis Bayerns hat jeden Anspruch, von dieser Infrastruktur zu profitieren. Diese Forderung muss jetzt erhoben werden – von Landrat, Stadtspitze und Bundestagsabgeordneter gemeinsam. Nicht als Randnotiz. Als politisches Ziel. Stattdessen: Stille. Oder Tunnelmeter. Rosenheim verdient mehr.
Christian Späth
Rosenheim