Vor einem Monat habe ich an dieser Stelle argumentiert, dass der „kurze“ Krieg im Iran enden würde. Auch wenn seitdem eine erneute militärische Eskalation vermieden wurde und im Nachgang des Besuchs von US-Präsident Trump in Peking wieder Bewegung in die Verhandlungen gekommen ist, dauert der Krieg an und die Straße von Hormus bleibt geschlossen.
In diesem Umfeld hat sich der Rückgang der globalen Stimmungsindikatoren im Mai fortgesetzt, vor allem im Dienstleistungsbereich. Dies spiegelt die durch die hohen Ölpreise geschmälerte Kaufkraft der privaten Haushalte wider. Dagegen zeigt sich das Verarbeitende Gewerbe noch robust, gestützt vom Aufbau von Lagerbeständen.
Trotz des ungelösten Iran-Konflikts, der anhaltend hohen Ölpreise, deutlichen Zinserhöhungserwartungen der Zentralbanken und steigender langfristiger Zinsen zeigen sich die Corporate-Bond- und Aktienmärkte weiterhin robust. Der US-Aktienmarkt erreichte gemessen am S&P 500 im Mai sogar neue Allzeithochs und hängte die europäischen Aktienindizes kurzfristig ab. Wesentlicher unterstützender Faktor sind dabei die Unternehmensgewinne. Bei der weitgehend abgeschlossenen Berichtssaison zum ersten Quartal lieferten vor allem die US-Unternehmen (insbesondere auch aus dem Technologiesektor) deutlich bessere Ergebnisse als erwartet und präsentierten überzeugende Ausblicke.
Dies führte zu einer spürbaren Aufwärtsrevision der für das Gesamtjahr 2026 erwarteten Gewinne, für die nun bei den S&P-500-Konzernen eine Steigerung von rund 24 Prozent zum Vorjahr erwartet wird. Auch in Europa (auf Ebene des Stoxx Europe 600) fielen die Unternehmensgewinne insgesamt besser als erwartet aus und die Konsens-Gewinnerwartungen für 2026 wurden angehoben, wenngleich deutlich weniger stark als in den USA. Die Konsens-Prognose für den Gewinnzuwachs 2026 der Stoxx-Europe-600-Unternehmen liegt nun bei knapp 15 Prozent.
Mit jeder weiteren Woche des Stillstands im Nahen Osten steigt aber das Risiko von physischen Rohstoff-Knappheiten, die auch die Industrie massiv treffen würden. Dann wäre auch eine scharfe Korrektur der Gewinnerwartungen für die Unternehmen zu erwarten, die eine deutliche Korrektur an den Aktienmärkten auslösen dürfte.