Rosenheim – Mit seinem jüngsten Konzert hat sich der Chorkreis St. Quirinus (der übrigens im Programmheft nicht erwähnt war) unter Michael Gartner programmatisch in den Totenmonat November gestellt und gleich zwei Trauer-Chorwerke gewählt.
Für Reuß Trauerfeier
komponiert
Die „Musikalischen Exequien“ hat Heinrich Schütz für die Trauerfeier des Heinrich Posthumus Reuß im Jahre 1635 komponiert, damit musikalisch die Riten beim letzten Gebet und der Beisetzung gestaltet und damit auch nichts weniger als die Vorform eines „Deutschen Requiems“ geschaffen, mehr als 200 Jahre vor Johannes Brahms. Es ist ein kunstvoll komponierter Wechsel- und bisweilen Dialog-Gesang von Solisten und Chor, die sich zu einer gesungenen Messe zusammenfügen. Gesungen wurde nur der erste Teil.
Orchester und Chor
fanden zusammen
Den Orchesterpart bestritt die „Capella München“ unter Leitung von Johannes Berger, der an der Orgel saß. Dieses äußerst stilkundige Orchester fand sich erst nach einiger Zeit rhythmisch mit dem Chor zusammen, dann wurde es schön rhythmisch schwingend. Der Chorklang war rund, für Schütz zu rund, zu wenig rhythmisch scharf markiert und damit zu wenig dezidiert: Orientiert sich der Klang hier doch am gesungenen Wort.
Gleich sechs Solisten waren aufgeboten, mittendrin auch ein Sopran, der von einem Mann gesungen wurde: Adam Schilling. Das war überraschend, ungewohnt und auch nicht ganz begründet: Warum – da es zwei Soprane waren – nur ein Männer-Sopran, warum nicht auch ein Altus? Adam Schilling dominierte ziemlich mit seinem durchdringenden, bisweilen schneidenden Sopran, den er im Duett mit dem unangestrengt klaren Sopran von Veronika Burger deutlich zurücknahm, während die anderen Solisten am schönsten in den Duetten klangen: so der Tenor Herbert Gruber und der Bariton Thomas Hamberger, der auch mit dem Bass Martin Hörberg gut harmonierte. Alle Solisten zusammen (auch mit der Altistin Luitgard Hamberger) forderten am Ende sehr energisch: „Herr ich lasse dich nicht, du segnetest mich denn!“
Wohl um dem Chor eine Atempause zu geben, spielten zwei Geigerinnen zauberhaft zart das Largo aus Bachs Doppelviolinkonzert: Es war, wie wenn sich zwei Engel unterhalten würden.
Michael Gartner hat bewusst darauf verzichtet, alle drei Teile der „Exequien“ singen zu lassen. Er wollte zeigen, wie verschieden Komponisten den Tod gestalten. Morten Lauridsen (geboren 1943) hat aus mehreren lateinischen Texten geistlichen Ursprungs eine große Motette komponiert mit dem Titel „Lux aterna“, die Tod, Hoffnung und am Schluss Jubel beinhaltet. Es war allerdings ein harter Kontrast zu dem strengen barocken Klang von Schütz. Man könnte es auch so sagen: Die geschlossen-ernste Requiem-Atmosphäre von Schütz zerflatterte in einer nicht enden wollenden verzuckerten Dauerentzückung.
Gleichwohl schienen die Sänger diese Musik zu mögen, sie widmeten sich mit großer Hingabe und mächtigem Chorklang diesen an- und abschwellenden klangwolkigen Verzückungen, was auch den Zuhörern in der vollgefüllten Klosterkirche gefiel.rj