Bad Aibling – Gitarristin Ana Vidovic bei der Ausübung ihrer virtuosen Kunst zusehen und zuhören zu dürfen, ist ein Erlebnis. Im Rahmen des Internationalen Gitarrenfestivals Saitensprünge verzauberte die gebürtige Kroatin das Publikum im restlos ausverkauften Kursaal von Bad Aibling mit Werken für klassische Gitarre.
Gitarristin verschmilzt mit ihrem Instrument
Vidovic, die vor drei Jahren schon einmal in einem umjubelten Konzert bei den Saitensprüngen aufgetreten ist, spielte zu Beginn die für Gitarre umgeschriebene Flötenpartita in a-Moll BWV 1013. Die viersätzige Komposition interpretierte Vidovic mal, wie in der Allemande, hell und durchsichtig, mal zurückhaltend und leise wie in der Sarabande, aber stets in ruhigem musikalischem Gleichmaß mit hoher Konzentration und technischer Brillanz. Die Gitarristin schien mit ihrem Instrument förmlich zu verschmelzen. Die aufeinanderfolgenden Sätze wirkten auf den Hörer wie ein musikalisches Märchen. Vidovics glitzernde Läufe und Melodielinien animierten das Publikum immer wieder zu vorzeitigem Applaus.
Melodischen Klangzauber verströmte Bachs Cellosuite Nr. 1 in G-Dur BWV 1007, ein träumerisches Werk in einer Fassung für klassische Gitarre. Auch in dieser Suite folgten auf sinnliche Zartheit kraftvolle Akkorde, die Vidovic mit staunenswerter Leichtigkeit und Virtuosität zu Gehör brachte. Berückend war erneut ihr ruhiges, harmonisches Spiel, das den Hörern den Atem nahm und im Saal eine hörbare Stille erzeugte. Die filigranen Finessen der Komposition meisterte sie mit Bravour. Nach der lebhaften Gigue erhielt die Gitarristin vom Publikum stürmischen Applaus. Die Grande Ouverture opus 61 von Mauro Giuliani, einem Italiener, der auch „Mozart der Gitarre“ genannt wird, spielte Vidovic gefühlvoll-fließend, schwerelos und mit ruhigem Rhythmus, dass man sich beinahe in himmlischen Sphären wähnte.
Folkloristische Melodik besaß die Sonatina des Spaniers Moreno Torroba. Leise Passagen im Andante bildeten effektvolle Kontraste zum Allegro, das Vidovic temperamentvoll erklingen ließ.
Nach der funkelnden Gran Sonata Eroica opus 150 von Giuliani und zwei Sätzen aus „El Marabino“ von Antonio Lauro stand zum Schluss noch Fernando Sors Introduktion und Variationen über ein Thema von Mozart auf dem Programm, dessen melodische Heiterkeit auf die Hörer eine wohltuende Wirkung ausübte.
Für den nicht enden wollenden rhythmischem Beifall bedankte sich Ana Vidovic noch mit zwei Zugaben, darunter den melancholischen „Recuerdos de la Alhambra“ von Francisco Tárrega.