In den Gärten der Zeit

von Redaktion

Kunstkreis Bernau widmet sich zum Zehnjährigen dem Thema Vergänglichkeit

Bernau – Wie lässt sich Zeit künstlerisch darstellen? Der Kunstkreis Bernau zeigt anlässlich seines zehnjährigen Bestehens in Kooperation mit den Chiemgauer Kulturtagen des Landkreises Traunstein und der Galerie MarahArt Bernau eine große Kunstausstellung. Im Rathaus und im Kurpark Bernau warten Skulpturen, Objekte und Installationen auf. Beteiligt sind Künstler aus Bernau und Umgebung, aus Deutschland, Österreich und Italien.

Kunst als Momentaufnahme

In der Ausstellung dreht sich alles um die Zeit. Zeit entfaltet sich von Moment zu Moment, jedes Kunstwerk ist eine Momentaufnahme. In einem Garten ist die Zeit im ständigen Wandel von Wachstum und Vergänglichkeit der Natur zu beobachten. Zeit zeigt sich auch in der Vergänglichkeit von Materie. Das Werden und Vergehen als ewiger Kreislauf des Menschseins.

Im Kurpark ist die Zeit beim Durchschreiten des Wiesenlabyrinths mit allen Sinnen erfahrbar. Nach oben muss man schauen zum „Clockwork Orange“. Die alten Räder greifen nicht mehr“, eine Installation von Dorothea Tielemann. Zwischen zwei Bäumen hängen zusammengelötete Felgen. Weiter oben am Hügel stehen zwei gelbe Stelen von Jannina Cansaya für „gemeinsam sind wir stark“, da sind rot-schwarze Kuben, wild aufeinandergestapelt, neben einer Uhr auf einer Baumscheibe (von Christl Wittmann). Vertrocknete rote Blumen auf verbrannten Holzstecken – eine Installation von Helmut Bielinski – sollen an die Feuer in Los Angeles Anfang dieses Jahres erinnern. Arbeitshandschuhe auf Bambusstöcken von Eva Rubin symbolisieren „Helping Hands.“

„Frau Lot“ aus Beton und Wachs

Sehr ansprechend ist auch „Frau Lot“: Eine frauenhohe Figur, in Salz erstarrt, hier allerdings von Moni Stein aus Beton und Wachs geformt. Glimmergranit, grünen Marmor und Edelstahl verwendet Anton Amort für seine Installationen, und mit Stahl arbeitet Bernhard Witsch: „Zeit der Vergänglichkeit“ ist eine kopflose Frau in einem zeitlos schönen, eleganten Abendkleid.

Es gibt viel zu entdecken im Kurpark. Ein bisschen Zeit muss man mitbringen, um alle Oeuvres im Garten der Zeit zu bewundern und um über die Bedeutung der Zeit nachzudenken. Noch ein Blick auf den Gemeinschaftsgarten des Bernauer Kunstkreises, auf eine mit Sukkulenten bepflanzte und mit Kies gefüllte runde Schale auf einer Stele ruhend, und dann ab ins Rathaus. Auch hier gibt es Kunst satt. Zehn Jahre Kunstkreis Bernau – das sind zehn Jahre, prall gefüllt mit künstlerischer Vielfalt. Die tragende Stütze am Rathauseingang hat Dorothee Tielemann mit bunten Mosaiksteinen zu einem Wasserfall aufgewertet. Die „Donna misteriosa“ von Corinna Brandl – Mixed media Acryl auf Leinwand – zieht ob ihrer Farbgebung Blicke auf sich. In „Tango Solitario“ hat Dierk Schwender ein tanzendes Paar in einer regennassen Gasse in Öl auf Leinwand gebannt, für „Saci Perere“ – detailreiche Köpfe und Figurinen –, hat Anne Aasmann cremefarbenen Kalkstein bearbeitet.

Heinz Aschenbrenner verwendet Mischtechnik Jute und Tusche auf Leinwand für seine ansprechende abstrakte Malerei. Mit Pastell und Tusche gestaltet Peter Zeiler akribisch und symbolreich seine Gemälde. Aus getrockneten Herbstblättern und Pastellfarben hat Silvia Bitschnau eine Herbstlandschaft geformt.

„Langes Leben, long life“ – das ist ein Plattenspieler, aber einer aus einer Holzscheibe samt echtem Tonarm von Gilbert Kleissner. Uta Beckert lässt drei in Ton gebrannte Menschen „nichts sehen, nichts hören, nichts sagen.“ Es gibt noch viel, viel mehr zu entdecken. Im Kurpark und auch im Inneren des Rathauses. Gönnen Sie sich die Zeit.

Bis 31. Oktober

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