Bad Aibling – Unter den vielen Auftritten in der inzwischen 25-jährigen Geschichte des Bad Aiblinger Gitarrenfestivals „Saitensprünge“ gab es einige, bei denen die Gitarre mit ihrer Komplexität als Instrument gar nicht im Mittelpunkt stand, sondern eine begleitende Rolle einnahm. Man erinnert sich an eine Performance der Perkussionistin und Marimbaspielerin Vivi Vasslileva im Jahr 2018, an das Tangoorchester aus Berlin oder die schwedische Folkmusikerin Sophia Zelmina vor zwei Jahren.
„Ich bin zum ersten Mal auf ein Gitarrenfestival eingeladen“, bekannte denn auch der belgische Singer-Songwriter Milow in einer Mischung aus Erstaunen und Freude im ausverkauften großen Saal des Kurhauses. Der Popstar und Charts-Stürmer („Ayo Technology“) gastierte im Trio mit Co-Sängerin Nina Babet und Gitarrist Tom Vanstiphout. Mit feinen Melodien, A-cappella-Gesang und sympathischer Moderation entwickelten die drei ein Programm mit vielen schönen, sanften Songs – Belgien ist ja nicht zuletzt für preisgekrönte Schokoladen bekannt.
Mit dem Song „One by one“ aus dem Album „Boy made out of stars“ ging es los, von Beginn an bannte Milow mit seiner begnadeten Stimme das Publikum. Vanstiphout leitete mit griffigem Folk-Intro ein zu „You did everything I do“, Milow fokussierte sich auf seinen Gesang und hatte seine „Akustische“ zur Seite gelegt.
Eine Spur Reggae zog sich durch das eingängige „Dancing to sad songs“, alle Songs vokalistisch gekonnt unterstützt von Nina Babet. „First day of my life“ war eine Hommage an seinen ebenfalls musizierenden Vater und sein persönliches Vorbild Michael Jordan, nur einer von mehreren tollen Ohrwürmern an diesem Konzertabend. Kurz am E-Piano, dann wieder rhythmisch mit zwei Gitarren – klanglich war es immer wieder überraschend und variabel. Nina Babet bezog die Gäste in ein kleines Vokal-Medley zum Mitmachen ein, nicht nur hier wurde gerne mitgesungen. Die Intensität und Hit-Dichte zog nach der Pause sogar noch an, Milow begeisterte unter anderem mit einem überzeugenden „You don´t know“ und „Whatever it takes“.
Eine besondere Überraschung hatte sich Milow noch aufgehoben – sein Bühnengast hieß Florence Arman. Die in Wien lebende britisch-irische Sängerin brillierte mit Milow im Duo und dem Song „Castaways“ mit der unwiderstehlichen Zeile „Let’s get lost/you and I“. Wer Lust hat: Das Musikvideo passt zur „Titanic“-Ausstellung. Zum Klassiker „Jolene“ im Duo mit Babet sang das Kurhaus mit. Klar, dass der internationale Superhit „Ayo Technology“ noch kam, hier tanzte man bei bester Laune und als charmante Zugabe gesellte sich das Quartett noch zum Publikum für zwei weitere „Unplugged“-Songs.