Holy Passage Device, Mixed Media (2022).
Wasserburg – Zeitgenössische Kunst von Thomas Helbig erwartet derzeit die Besucher der ehemaligen Polizeiinspektion im Wasserburger Salzstadel. Dort zeigt der in Berlin lebende Künstler noch bis 7. Juni Bilder, Plastiken und fotografische Collagen.
Bekannt wurde Thomas Helbig vor allem durch seine vielschichtigen Arbeiten, die sich bewusst zwischen Realität, Erinnerung und Fantasie bewegen. Die bei der Ausstellung „Creation“ gezeigten Papier-Collagen imponieren durch ausgeprägte Licht- und Schattenkontraste.
Düstere
Traumsequenzen
In ihrer Komposition erinnern sie an Traumsequenzen oder an Szenen aus alten Filmen, ohne dabei eine bestimmte Geschichte zu erzählen. Sie wirken düster. Man denkt unweigerlich an Szenenbilder aus dem Genre des französischen Film Noir oder auch des italienischen Neorealismus. Dunkle Räume, surreal wirkende Figuren, architektonische Fragmente und symbolhafte Objekte verstärken diesen Eindruck zusätzlich. Dabei entstehen Darstellungen, die faszinieren und zugleich verstörend wirken können.
Helbigs Objekte lassen sich erst nach intensiver Betrachtung als Transformation von Haushaltsgegenständen identifizieren. Die Plastiken, die er zeigt, bewegen sich zwischen Traumwelten und oft düsterer Symbolik.
Die Fragmente eines Staubsaugers dekonstruiert Helbig zu Artefakten, die auch aus einem fremden Raumschiff stammen könnten. Seine völlig neuen Kreationen lassen Metamorphosen zwischen Schönheit und Bedrohung, Erinnerung und Vergänglichkeit entstehen. Auch in seinen Assemblagen halten Faszination und Irritation die Waage.
Gleichfalls beeindruckend ist die Bildsprache in den Gemälden. Barocke und auch romantische Elemente lassen sich in den Bildern entdecken. „Et in Arcadia“ („Auch ich war in Arkadien“) nimmt wohl Bezug zu jener Landschaft im antiken Griechenland, die symbolisch für eine ideale, friedliche und naturverbundene Welt als Gegenentwurf zur Hektik, Gewalt und Künstlichkeit der Zivilisation steht. „Divination“, ein großformatiges Ölbild, weckt wiederum beim Betrachter Assoziationen zum menschlichen Bestreben, Erkenntnisse über die Zukunft, über verborgene Mysterien oder vielleicht sogar göttliche Botschaften zu gewinnen.
Thomas Helbigs „Creation“ lebt von vielschichtigen Kontrasten. Inhaltlich beschäftigt sich die Ausstellung mit existenziellen Themen wie Schöpfung und Identität, Angst, Tod und dem Verhältnis des Menschen zu Bildern und Symbolen. Seine Arbeiten bieten jede Menge Spielraum für Interpretationen. Gerade diese Vieldeutigkeit macht „Creation“ bemerkenswert und hinterlässt eine starke emotionale Wirkung.
Thomas Helbig, Jahrgang 1967, stammt ursprünglich aus Rosenheim. Er ist Maler und Bildhauer und hat an der Akademie der Künste in München und am Goldsmith College in London studiert. Seine Werke sind international in Sammlungen vertreten und wurden vielfach ausgestellt, unter anderem in der London Tate Gallery of Modern Art oder im Haus der Kunst in München. Helbig lebt und arbeitet in Berlin-Kreuzberg.