Rosenheim – Günther Maria Halmer wurde am 5. Januar 1943 in Rosenheim geboren. Der bekannte und bedeutende Schauspieler verstarb am 10. Mai im Alter von 83 Jahren. Warum er hier in einer Ortsnamenserie erwähnt und gewürdigt wird, liegt an zweierlei Faktoren: Zum einen daran, wie in den Nachrufen mancher Medien Halmers bairischer Dialekt beschrieben wird, zum andern daran, wie in manchen Medien sprachlich auf die Heimat des Schauspielers eingegangen wird. Beides, Sprache und Region, gehören natürlich zusammen.
Günther Maria Halmer wurde schlagartig bekannt, als er in der Fernsehserie „Münchner Geschichten“ die Hauptrolle des Junggesellen, Lebenskünstlers, Strizzi und unangepassten Burschen Karl Häusler, genannt „Tscharlie“, verkörperte. Während der sächsische Autor Karl May in manchen Geschichten einen „Scharlie“ auftreten lässt, wird der süddeutsch-bairische Charly naturgemäß mit hartem T vor dem scharlie ausgesprochen. Andernfalls wäre er ein aus nördlichen Gefilden Zuagroaster gewesen. Note 1, an Oanser, hier für Regisseur Helmut Dietl und Schauspieler Halmer.
Anders liegt der Fall bei einem geflügelten Wort des Tscharlie: „Ois Chicago“. Dieser Spruch soll bedeuten: Alles in Ordnung, passt schon, und Ähnliches. Würde „ois Chicago“ aus dem Munde eines norddeutschen Schauspielers kommen, lautete er wohl „als Schikago“. Und das wäre gar nicht so übel, denn die amerikanisch-englische Aussprache der bekannten amerikanischen Großstadt ist tatsächlich „schikaagoh“. Günther Maria Halmers Tscharlie sagt jedoch, getreu der bairischen Aussprache, „Tschikago“.
Da könnte man schon fragen, warum seit dem Jahre 1974, als die Serie „Münchner Geschichten“ erstmalig ausgestrahlt wurde, das „Chicago“ im Ausspruch „Ois Chicago“ nicht konsequenterweise als „Tschikago“ verschriftlicht wurde! Doch dabei bleibt es nicht alleine: „Ois“ im Sinne von „alles“? Die Schreibung „ois“ würde folgendermaßen passen: „Ois Brandner Kaschpa hod ma da Halmer genauso guad gfoin wia ois Tscharlie!“ Das standarddeutsche Wort „als“ lautet auf Bairisch „ois“. Aber das Wort „alles“ wie im geflügelten Wort: „Alles Chicago!“ lautet auf Bairisch nicht „ois“ mit sanftem s, sondern mit sehr hartem s „oiss“! Vorschlag also für künftige Zitierungen: „Oiss Tschikago“. Logisch. Sowieso.
Oans geht noo! Nämlich das grammatische Geschlecht von „Chiemgau“. Bei einem der Nachrufe auf Günther Maria Halmer steht folgender Text: „Seine Heimat war das Chiemgau: Günther Maria Halmer wurde in Rosenheim geboren“. Oh meiomei! Die Stadt Rosenheim liegt ganz sicher nicht im Chiemgau. Das gilt auch für Halmers letzten Wohnort Höhenmoos in der Gemeinde Rohrdorf. Wie wär’s mit Inntal? Und: Hätte es Rosenheim schon im 8. Jahrhundert gegeben, wäre es wohl Teil des historischen Sundergaus gewesen, der sich zwischen Isar und Inn erstreckte.
Was aber gar nicht geht: „Das“ Chiemgau! Der Rupertigau, der Pongau, der Pinzgau: Zum Deutschlernen empfiehlt sich gelegentlich eine Fahrt Richtung Salzburger Land! Nicht ärgern, nur wundern, Günther alias Tscharlie! Requiescas in pace. Pfiad di!
Armin Höfer