„Ich will Rosenheim helfen, in die DEL aufzusteigen“

von Redaktion

INTERVIEW Starbulls-Neuzugang Ryan McKiernan über Familie, Führungsstärke und sein neues Zuhause an der Mangfall

Rosenheim/Drummondville – Mit Ryan McKiernan (36) haben sich die Starbulls Rosenheim einen erfahrenen und führungsstarken Verteidiger für den anvisierten Aufstieg in das deutsche Eishockey-Oberhaus geangelt. Da kommt der US-Amerikaner mit deutschem Pass auch her. Mit den Eisbären Berlin und dem EHC Red Bull München holte er deutsche Meisterschaften, für die Düsseldorfer EG und die Löwen Frankfurt spielte er zuletzt in der DEL. Außerdem holte er mit den Vienna Capitals den Titel in der multinationalen ICEHL und gewann mit dem schwedischen Erstligisten Rögle BK die Champions League.

Den Sommer verbringt McKiernan mit seiner Familie im kanadischen Drummondville, der Heimatstadt seiner Partnerin. Mit den dort ansässigen Voltigeurs gewann er 2009 seinen ersten Titel: Die Gilles-Courteau-Trophäe in der Québec Maritimes Junior Hockey League (QMJHL). Die OVB-Sportredaktion hat den Starbulls-Neuzugang exklusiv gesprochen.

Wie ist Ihr erster Eindruck von Rosenheim?

Wir waren zwölf Tage dort und haben den kompletten Umzug gestemmt. Wahnsinn, wie viele Sachen man im Laufe der Jahre ansammelt – gerade mit Kindern und nach zwölf oder 13 Jahren in Europa. Aber wir haben die Zeit auch genutzt, um die Stadt kennenzulernen. Wir hatten schon vorher viel Gutes über Rosenheim gehört und wollten unsere neue Heimat so schnell wie möglich entdecken.

Ihre ganze Familie zieht mit nach Rosenheim?

Ja, genau. Ende Juli erwarten wir unsere Tochter, unser Sohn James ist viereinhalb Jahre alt. Die ganze Familie war beim Umzug dabei, das war wirklich schön. Wir haben ausgepackt, die Stadt genossen und versucht, in den ersten Tagen möglichst viel zu sehen.

Wie würden Sie sich als Spieler beschreiben?

Ich bin ein Spieler, der immer mit vollem Einsatz spielt und es den gegnerischen Stürmern extrem schwer macht. Gleichzeitig kann ich offensiv Akzente setzen und Punkte produzieren. Meine größte Stärke ist aber definitiv meine Arbeitseinstellung und mein Zwei-Wege-Spiel.

In München und Berlin haben Sie Meisterschaften in der DEL gewonnen. Warum jetzt der Schritt in die DEL2 nach Rosenheim?

Für mich war entscheidend, wieder die Chance zu haben, um Titel zu spielen und Rosenheim dabei zu helfen, den Schritt in die DEL zu schaffen. Ich möchte Leistung, harte Arbeit und Führungsqualitäten einbringen. Natürlich ist die DEL2 für mich etwas Neues, aber genau diese Herausforderung reizt mich. Die Menschen, die ich bisher in Rosenheim kennengelernt habe, sind großartig. Im Verein spürt man sofort, wie groß die Vorfreude auf die neue Saison ist.

Starbulls-Trainer Jari Pasanen bezeichnet Sie als absoluten Fitnessfreak. Wie wichtig ist körperliche Fitness mit 36 Jahren?

Ich habe immer extrem auf meinen Körper geachtet und hart trainiert. Das ist auch der Grund, warum ich mit 36 noch auf diesem Niveau spielen kann. Jari hat mir ebenfalls gesagt, wie wichtig Fitness für ihn ist. Wenn ein Team körperlich top vorbereitet ist, schafft das die Grundlage für Erfolg – besonders über eine lange Saison hinweg.

Pasanens Spielphilosophie gilt als defensiv geprägt. Wie sehen Sie das?

Ich glaube, dieses System funktioniert hervorragend – sowohl in der DEL als auch in der DEL2. Man sieht es bei vielen erfolgreichen Mannschaften. Eine stabile Defensive ist die Basis für alles. Gleichzeitig haben wir genügend offensive Qualität, um viele Tore zu erzielen. Wenn die Arbeit in der eigenen Zone stimmt, kann man darauf aufbauen.

War das schon Thema in den Gesprächen mit dem Trainer?

Ein bisschen. Als ich jetzt in Rosenheim war, haben wir über den Trainingsauftakt im August gesprochen. Aber letztlich gilt: System ist System. Ich bin überzeugt, dass die Spielidee in Rosenheim erfolgreich sein wird.

Was wussten Sie bereits über Rosenheim?

Ich kenne Patrick Hager sehr gut. Er wohnt nur etwa 15 Minuten entfernt und hat mir schon früher erzählt, was für eine tolle Stadt Rosenheim ist. Außerdem waren wir mit München früher öfter am Chiemsee. In den vergangenen Tagen haben wir versucht, möglichst viel von der Region zu sehen – wir waren zum Beispiel am Simssee. Was mich aber wirklich überrascht hat, ist die Restaurant-Szene. Man kann hier unglaublich gut essen.

Wie blickt man in der DEL auf Rosenheim?

Bevor ich unterschrieben habe, habe ich vor allem gehört, dass sich der Verein hervorragend um seine Spieler kümmert. Rosenheim ist ein Standort, der eigentlich in die DEL gehört. Man sieht an den Modernisierungen im Stadion, dass hier langfristig etwas aufgebaut wird.

„Die Chemie in der Kabine
ist entscheidend“

Mit Lukas Laub, Chris Kolarz und Fabian Dietz haben Sie bereits zusammengespielt. Haben Sie schon Kontakt gehabt?

Ja, ein bisschen. Mit Fabian Dietz war ich erst letzte Woche zusammen. Alle drei sind großartige Charaktere – und genau solche Typen braucht man, wenn man etwas Besonderes erreichen will. Gute Chemie in der Kabine ist enorm wichtig. Es wird lustig sein, die Jungs jetzt viele Jahre später als erfahrene Spieler wieder zu treffen.

Die Teamchemie galt vergangene Saison als große Stärke der Starbulls. Wie entsteht so etwas?

Das entwickelt sich vor allem im August. Dort wird gemeinsam hart gearbeitet, aber man verbringt auch viel Zeit miteinander. In den erfolgreichsten Teams meiner Karriere war genau diese Phase entscheidend. Wenn jeder sieht, dass sein Mitspieler jeden Tag alles investiert, entstehen automatisch Vertrauen und Zusammenhalt.

Wie groß schätzen Sie das Potenzial der Mannschaft ein?

Sehr groß. Wir haben uns gezielt verstärkt und wichtige Leistungsträger gehalten. Natürlich entscheidet sich ein Aufstieg nicht im August oder September, sondern über die gesamte Saison. Aber die Voraussetzungen sind definitiv da.

Wer sind die größten Konkurrenten im Aufstiegsrennen?

Die DEL2 wird extrem stark besetzt sein. Dresden hat sich sehr gut verstärkt, Kassel gehört jedes Jahr zu den Topteams, genauso Ravensburg oder Regensburg. Es wird keine einfachen Spiele geben. Entscheidend ist, dass alle Spieler an einem Strang ziehen. Wenn das gelingt, haben wir eine richtig gute Chance.

Sehen Sie sich dabei auch selbst in der Verantwortung?

Absolut. Die Trainer geben die Richtung vor, aber die erfahrenen Spieler müssen auf dem Eis und in der Kabine dafür sorgen, dass die Mannschaft diese Philosophie lebt. In all meinen erfolgreichen Teams waren die Führungsspieler ein entscheidender Faktor.

Wie verbringen Sie Ihre freie Zeit?

Nachmittags bin ich meistens mit James auf dem Spielplatz. Außerdem lese ich viel und interessiere mich für Investments. Aber mein wichtigster Job ist es, ein guter Vater zu sein.

Steht Ihr Sohn schon selbst auf dem Eis?

Ja, er spielt bereits Eishockey – und hält sich momentan für etwas besser, als er eigentlich ist (lacht). Er will immer alles möglichst schnell machen. Ich versuche, ihm beizubringen, dass man Dinge manchmal langsam lernen muss. Im Winter wird er hoffentlich im Nachwuchs der Starbulls spielen.

Sie verbringen den Sommer in Kanada. Wie sieht Ihr Alltag dort aus?

Wir leben im Sommer in Drummondville in Québec, wo meine Partnerin herkommt. Dort haben wir eine tolle Trainingsgruppe mit vielen Profis. Vormittags trainiere ich im Kraftraum und gehe zwei- bis dreimal pro Woche aufs Eis. Nachmittags verbringen wir oft Zeit auf dem Boot der Eltern meiner Partnerin.

Wie viele Sprachen sprechen Sie inzwischen?

Französisch spreche ich wegen meiner Partnerin ziemlich gut. Während unserer Zeit in Schweden habe ich auch etwas Schwedisch gelernt. Dazu natürlich Englisch und inzwischen auch ganz ordentlich Deutsch.

Fällt Ihnen das Sprachenlernen leicht?

Früher musste ich in der Schule Latein lernen – das war damals brutal schwer, hat mir im Nachhinein aber enorm geholfen. In meinen ersten Jahren in Europa habe ich viel mit Apps wie Duolingo oder Babbel gelernt. Mein Ziel ist es, mein Deutsch in Rosenheim noch weiter zu verbessern. Wobei ich sagen muss: Bairisch ist noch mal eine ganz andere Hausnummer. In den letzten zwei Wochen gab es einige Gespräche, bei denen ich wirklich kein Wort verstanden habe (lacht).

Sie haben an der McGill-Universität studiert. Wie war diese Zeit?

Ich habe Finance and Accounting (Finanz- und Rechnungswesen) studiert. Das war eine fantastische, aber auch extrem intensive Zeit. Studium und Leistungssport parallel zu kombinieren, verlangt viel Disziplin. Eigentlich dachte ich damals, dass ich später im Finanzsektor arbeiten würde. Nach meiner Abschlusssaison ergab sich dann aber die Möglichkeit, nach Europa zu gehen.

Der erste Schritt führte Sie nach Schweden zu AIK Stockholm. Wie war die Umstellung?

Am Anfang war das verrückt. An der Universität war mein Tagesablauf komplett strukturiert – und plötzlich lebt man allein in Stockholm, hat viel Freizeit und gleichzeitig den Druck des Profisports. Das erste Jahr war mental nicht einfach, aber eine unglaublich wertvolle Erfahrung.

Denken Sie mit 36 Jahren schon an die Zeit nach der Karriere?

Natürlich macht man sich Gedanken. Ich habe meinen Studienabschluss und könnte auch außerhalb des Sports arbeiten. Aber mein Traum wäre es, dem Eishockey als Trainer oder Sportdirektor erhalten zu bleiben. In den vergangenen Jahren habe ich begonnen, Trainingsübungen, Systeme und taktische Details zu dokumentieren, um mich langfristig darauf vorzubereiten.

Wie begann Ihre Leidenschaft für Eishockey?

Ich habe mit drei Jahren angefangen. Mein Vater und mein Onkel haben selbst gespielt, und wir haben früher oft gemeinsam Rollerhockey auf der Straße gespielt. Wenn ich heute zurückblicke, war es eine lange, aber wunderschöne Reise.

Sie stammen aus New York. Sind Sie Rangers-Fan?

Definitiv. Ich war knapp fünf Jahre alt, als die Rangers 1994 den Stanley Cup gewonnen haben. Mein Vater, mein Onkel und ich waren damals sogar beim entscheidenden Spiel im Madison Square Garden. Eigentlich hatten wir nur zwei Tickets. Weil ich noch so klein war, hat mich mein Vater mit angewinkelten Beinen wie ein riesiges Baby hineingeschmuggelt. Und es hat tatsächlich funktioniert.

Wie besonders ist die Atmosphäre im Madison Square Garden?

Der Garden ist natürlich legendär. Trotzdem finde ich die Stimmung in Europa oft emotionaler. In Nordamerika gehen viele Tickets an Firmen oder Sponsoren. In Europa dagegen singen die Fans 60 Minuten durch, es gibt Choreos und Fangesänge. Das macht die Atmosphäre hier einzigartig.

Freuen Sie sich auf das erste Heimspiel im Rosenheimer Stadion?

Absolut. Wenn die Fans laut sind und die Mannschaft pushen, fühlt sich das wie ein sechster oder siebter Feldspieler an. Diese Energie kann enorm viel bewirken. Während des Spiels selbst ist man zwar oft komplett im Tunnel, aber spätestens nach einem Tor oder nach der Schlusssirene spürt man, wie viel Unterstützung von den Rängen kommt.

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