Alte Schätze in neuem Glanz

von Redaktion

Museum Werdenfels verlängert sehenswerte Jubiläumsschau

Engagiert: Constanze Werner, Leiterin des Museums, hat sich für das Jubiläum wieder viel einfallen lassen. © Thomas SEHR

Tüten-Kleid aus Tetrapacks von Stephan Hann. © T. SEHR

Gelungen inszeniert: Auch im Gewölbe des Museums in Garmisch-Partenkirchen sitzen Figuren in außergewöhnlicher Kleidung. Hier: gefertigt aus Blistern für Medikamente. © THOMAS SEHR

Eine gewaltige Schleppe aus zusammengenähten Plastiktüten, aus aller Welt, in allen Farben. Eine Schaufensterpuppe in einem eleganten Tüten-Kleid. Und dann wieder: historische Stücke – Trachtengwand und Schmuck – von anno dazumal. Sie ist eine Schau, diese Schau, die im Museum Werdenfels in Garmisch-Partenkirchen zu sehen ist und gerade ob des großen Erfolgs verlängert wurde. Noch bis 18. Januar 2026 kann man die Jubiläumsausstellung „100 Jahre Museum Werdenfels. Tausende Objekte und noch viel mehr Geschichte(n) – Kultur, Kunst und Tradition 5000 v. Chr. bis heute“ besichtigen. Und gerade Modebegeisterte sollten das tun.

„Es ist aufwendig genäht wie Haute Couture“, schwärmt Constanze Werner, die engagierte Leiterin des Museums, über besagtes Tüten-Kleid. Dieses Objekt und etliche weitere, die im ganzen Haus zu finden sind, stammen vom Berliner Künstler Stephan Hann. Sie sollen einen bewussten Kontrast bilden zu den historischen Stücken, die außerdem gezeigt werden. Früher führte man Kleidung in Erblisten auf, gab sie von Generation zu Generation weiter. Derart langlebig ist heute nichts mehr. Das symbolisiert das Tüten-Kleid, das verdeutlichen auch die Stücke, die Hann eigens für die Sonderschau angefertigt hat. Er kombiniert historische Teile mit Tetrapacks, Magnetbändern, Blistern und anderen Recycling-Materialien.

Viele solche Überraschungen kann man im Museum Werdenfels entdecken. Mit viel Liebe zum Detail und reichlich Arbeit überlegt und gefertigt von Constanze Werner und ihrem Team. Gleich hinter dem Eingang etwa hängen 200 Postkarten – 100 zeigen die Objekte aus dem Ausstellungsraum, 100 weitere ausgewählte Stücke aus der Sammlung. Alle sind mit Erklärungen versehen. „Die Geschichte des Objekts, die Information, wann und wie es ins Museum gekommen ist, aber auch, was damit passiert, wenn es zu uns kommt, findet sich darauf“, erklärt Werner. 100 Seiten Text hat sie dafür verfasst, drei Monate saß sie an diesem Projekt. Das Ergebnis dürfen die Besucher aus den Postkartenständern mitnehmen. Sich damit auch im Haus auf die Suche nach den Stücken machen – und so mehr über die Schätze erfahren, die aus der 1895 aufgebauten „Muster- und Altertümersammlung“ der Partenkirchner Fachschule für Holzschnitzerei stammen.

Holzschnitzerei ist eine Kunst – Werner ist es wichtig, auch in dieser Ausstellung weitere künstlerische Perspektiven zu zeigen. Um den alten Ausstellungsstücken durch geschickte Zusammenführung mit aktuellen Werken zu neuem Glanz zu verhelfen. Insgesamt vier Künstler hat sie eingeladen, „mit unserer Sammlung zu arbeiten“. Im historischen Schlafraum thematisiert Alejandro Valbueno aus Oberammergau in einem wandgroßen Gemälde den Prozess des Schlafens und das Unterbewusstsein. Mit Gemälden und Zithermusik hinterfragt Rita de Muynck aus Uffing Synästhesie, also die Wahrnehmung von Sinnesreizen. Der Zugspitze in Bezug auf Bergsport, Klimawandel und Tourismus widmet sich die Bildhauerin Marie Ostler aus Garmisch-Partenkirchen. Eine Musik- und Geräuschinstallation thematisiert darüber hinaus die Geschichte der Volksmusik im Landkreis.

Und dann ist da noch die Geschichte mit den Leoparden. Zwei davon besaß Fritz Pfaffenzeller. Der Weltreisende und Autor diverser Reiseführer ließ sich Anfang des 20. Jahrhunderts in Partenkirchen nieder. In der „Villa Orient“ im Hasental gründete er das erste Museum in Partenkirchen. Er hielt auch Affen und eine Python. Seine zwei Leoparden führte er heimlich im benachbarten Wald aus. Eine Lichtinstallation zeigt Fotos von ihm und seinem Wirken, auf das auch Otto Blümel, der erste Leiter des Heimatmuseums, jetzt Museum Werdenfels, aufmerksam wurde. Wie man Lust aufs Eintauchen in die Geschichte macht? Genau so.TANJA BRINKMANN

Bis 18. Januar 2026

Di. bis So. 10 bis 17 Uhr;
Ludwigstraße 47,
Garmisch-Partenkirchen.

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