Ein klassisches, über Jahre zusammengeschweißtes Duo sind sie nicht. Fünf Jahrzehnte trennen die beiden Damen, deren Lebensmittelpunkt das Klavier ist. Doch was sie vierhändig oder an zwei Steinways veranstalten, beglückt das Publikum zutiefst. Die legendäre Martha Argerich hat sich wieder einmal mit der jungen, aus Aying kommenden Kollegin Sophie Pacini zusammengetan, um durch die Musik miteinander, aber auch mit dem Publikum im vollbesetzten Herkulessaal zu kommunizieren.
Beredt und quirlig starteten die beiden Pianistinnen mit Mozarts C-Dur Sonate für vier Hände, wobei sie einander zu- oder miteinander zu singen schienen, Pacini luftig im Diskant glitzerte, während Argerich im Klavier-Bass grummelte. Beste Feinabstimmung bis in delikate Pianissimi. Und ihr Musizieren quasi auf einem Atem bezeugte, wie einig sich die Damen sind.
Viel Harmonie prägte auch ihr Spiel an zwei Klavieren, das sie mit Brahms‘ Variationen über ein Thema von Haydn begannen. Ob energische Akzente oder atemberaubende Presti – beide trafen (sich) auf den Punkt und fanden auch in den langsameren Variationen eine wunderbare Balance, die hin und wieder durch einen kurzen Blick gefestigt wurde.
Schon vor der Pause präsentierte das Duo einen Höhepunkt: Schostakowitschs Concertino a-Moll für zwei Klaviere. Die Damen meisterten die rhythmisch-klanglichen Herausforderungen bravourös: Während Pacini mit massiven Akkordpassagen imponierte, sinnierte Argerich fast nachdenklich (Einleitung), um dann in virtuosen Läufen zu brillieren, die Kollegin anzustacheln zum gemeinsamen rasanten Schluss.
Ein Andante mit Variationen legte Schumann als Opus 46 auch in einer Fassung für zwei Klaviere vor. Dabei schälten die Pianistinnen die unterschiedlichen Charaktere der Variationen heraus, sekundierte Pacini, derweil Argerich hurtige Läufe beisteuerte. Für Liszts Concerto pathétique wechselte Pacini ans erste Klavier und faszinierte mit kraftvollem, energiegeladenem Spiel ebenso wie mit nuanciertem Anschlag und Trillern im Diskant. Beeindruckend, wie die beiden auch hier zusammenfanden und das Publikum überrumpelten. Danach war der zugegebene Bach-Choral pure Labsal. GABRIELE LUSTER