Gladiatorenkämpfe werden gezeigt. © Achim F. Schmidt
Sich selbst in einen Gladiatoren verwandeln: Auch das kann man in der Schau für alle Sinne. © Achim Frank Schmidt
Der Mensch ist schon ein merkwürdiges Wesen. Auf die Idee zu kommen, gigantische Arenen zu bauen, um dann darin anderen beim Sterben zuzuschauen. Aufklärung hin oder her, auch heute blicken wir noch fasziniert auf die Zeit der römischen Gladiatoren. Und wenn wir ganz ehrlich sind, hat die Attraktion von Gewalt ja nie geendet. Heute eben in domestizierter Form, durch Actionfilme und Krimis. Das Thema, das sich die Archäologische Staatssammlung in ihrer neuen Sonderausstellung vornimmt, weckt also gleich Interesse. „Gladiatoren, Helden des Kolosseums“ – da ist man gedanklich sofort bei Asterix und Obelix, Ridley Scott, Hollywood. Die Realität sah freilich etwas weniger lustig oder schillernd aus. Davon erzählt diese höchst informative Schau auf spannende Weise.
Das Kuratorenteam setzt in Kooperation mit dem Archäologischen Nationalmuseum in Neapel nicht auf dröge Wissensvermittlung wie im Lateinunterricht. Ihnen gelingt es, das Menschliche, auch Allzumenschliche dieses Kapitels der römischen Geschichte aufzufächern. Wie sich das wohl angefühlt haben mag als Gladiator? In die Arena einzumarschieren, nie wissend, ob man sie lebend wieder verlassen wird. Ein verdunkelter Raum gibt einen Eindruck. Man hört Schwerter gegeneinander klirren, Tiergebrüll, schmerzverzerrtes Stöhnen – so angsteinflößend, dass man selbst nach wenigen Sekunden einknicken würde. Das allerdings wäre dann vermutlich das sofortige Todesurteil gewesen. Denn das Publikum wollte tapfere Kämpfer sehen. Zeigten sie engagiertes Ringen bis zum Schluss, stiegen die Chancen, dass sie vom Veranstalter der Spiele nach ihrem Kampfabbruch begnadigt wurden. Interessant: Meist plädierte das Publikum lautstark für eine Begnadigung. Nur rund jeder zehnte Kampf ging mit einem Todesurteil für den Verlierer aus.
Es sind diese Details, die die faszinierende Schau ausmachen. Da erfährt man beispielsweise von der Henkersmahlzeit, die die Gladiatoren vor jedem Kampf – sie bewältigten zwei bis drei im Jahr – zu sich nahmen. In aller Öffentlichkeit verliefen diese potenziell letzten Abendessen, die Wettinteressierten kamen gern, um zu schauen, wie es wohl um die Konstitution der Kämpfer steht. Denn das hier war ja nicht bloß blutrünstige Unterhaltung, sondern für viele Menschen ein saftiges Geschäft. Profiteure waren nicht die armen Tropfe, die dazu verdonnert worden waren, Gladiatoren zu werden – Sklaven, Kriegsgefangene, Kriminelle; Profiteure waren die Wettbüros, die Andenkenläden, die Imbissstände. Lerne: Merchandising ist keine Erfindung des 20. Jahrhunderts. Die Besucher können in Repliken von damaligen Ausrüstungen schlüpfen – und nachempfinden, wie viel allein die Helme wogen. Bis zu 20 Kilo konnte solch eine Rüstung zusammenbringen.
Schwere Kost also, doch so federleicht erzählt, dass es eine Freude ist für Groß und Klein. Kurzum: Hin da.KATJA KRAFT
Bis 3. Mai 2026
Di., Mi., Fr., Sa. 10 bis 17,
Do. und So. 10 bis 19 Uhr;
Lerchenfeldstraße 2.