Das Schatzhaus am See

von Redaktion

Buchheim Museum feiert 25. Geburtstag mit Expressionisten-Schau

Er war Autor, Regisseur und Rebell: Lothar-Günther Buchheim malte die „Schiffe am Ufer“ .

Ein Farbenrausch: Ernst Ludwig Kirchners „Mädchenakt im Atelier“ von 1909. © Repro: Steglich

Idyllisch gelegen: Das Buchheim Museum der Phantasie in Bernried am Starnberger See feiert 25-jähriges Bestehen. Zurzeit wird das Museum erweitert. © Foto: Buchheim Museum

Es war ein schöner Tag, dieser 22. Mai 2001, gerade recht, um die Vor-Eröffnung eines neuen Kunst-Schatzhauses zu feiern (mit hohen Gästen wie Ministerpräsident Edmund Stoiber einen Tag später). Das Buchheim Museum der Phantasie (sic!) war damals nicht nur als Bau des Architekturbüros Behnisch, Behnisch & Partner (sic!) fertiggestellt, sondern es waren bereits viele der Sammlungen des Stifterpaars Diethild und Lothar-Günther Buchheim (1918-2007) eingezogen und warteten darauf, bestaunt zu werden. Neben Naiver Kunst, Populärem und Volkskunst aus aller Welt vor allem „seine“ Expressionisten, um die sich so manche Anekdoten und wilde Spekulationen rankten, wie wertvoll sie wohl seien. An Christi Himmelfahrt vor 25 Jahren konnten endlich alle ihre Neugier stillen – und nun, ab diesem Samstag, können wir den Geburtstag feiern: kostenlos für alle um 17 Uhr; erst für die Party ab 19 Uhr braucht man Karten.

Neben einem Begleitprogramm und der kleinen Ausstellung „25 Jahre Buchheim Museum der Phantasie – Rückschau und Ausblick“ mit Architekturmodellen und einer digitalen Fotogalerie von 200 Bildern aus dem ersten Jahr setzt das Team um den neuen Direktor Stephan Dahme auf seine Hausheiligen, also auf Expressionismus, genauer auf „Aufruhr der Farben – Karl Schmidt-Rottluff und das Erbe der ,Brücke’“.

Gemütlicher wird das 25-Jahre-Feiern ablaufen, obwohl die Baustelle ums Haus herumwuchert; das war einst nicht ganz so. Buchheim, der gern den Systemsprenger gab, schreckte die Festgäste mit bösen Bemerkungen auf (sie holten sich damals ihre Heiterkeit schnell zurück). Außerdem haben wir alle längst den verschachtelten Behnisch-„Dampfer“ an Bernrieds Gestaden des Starnberger Sees liebgewonnen. Vergessen ist die Fast-endlos-Suche der Buchheims nach einem Museumsstandort. Vergessen sind die Probleme mit Buchheims Wohnort Feldafing, der partout das Museum nicht wollte. Vergessen sind die Probleme mit dem Stifter Buchheim, der sich zu sehr in die Ausstellungsarbeit einmischte, und auch die jüngsten Querelen um den entlassenen Chef Daniel J. Schreiber.

Was zählt, ist die wohlige Erinnerung, dass Bayern mal fähig war, Kunstbauten zu verwirklichen. Woraus die Mahnung an die heutigen Politiker folgt, ihre Aufgabe zu erfüllen und, zum Beispiel, das Münchner Konzerthaus zu realisieren. Was zählt, ist das Geburtstagsgeschenk ans Buchheim Museum. Immerhin hat der Freistaat den Erweiterungsbau möglich gemacht (20,3 Millionen Euro), der im Herbst eröffnet werden soll. Wie berichtet, wird es einen neuen Saal für Präsentationen geben, mehr Raum fürs Depot, für Werkstätten und Büros. Das Café Buffi soll größer werden, genauso wie der Seeblick-Genuss auf diversen Terrassen.

Was indes am meisten zählt, ist die erfolgreiche Ausstellungsarbeit des Museumsteams mit über 100 Expositionen seit 2001. Diese erst schuf den Erfolg beim Publikum – neben der landschaftlich herrlichen Lage. Sie erzeugte Vertrauen bei privaten und öffentlichen Leihgebern und zog nicht zuletzt Sammlerinnen und Sammler an. Ihre Schätze/Zustiftungen sind fürs Museum genauso wertvoll wie die Zusammenarbeit mit ihnen; aktuell mit Joseph Hierling und Paul Maria Wittmann (ab Dezember wird das Schaffen seiner Mutter Karoline gewürdigt). „Aufruhr der Farben“ zeigt das imponierend mit einem überzeugenden „Zusammenklingen“ (für Buchheim wichtig, erzählt Dahme) der 54 „Brücke“-Werke, darunter 22 Schmidt-Rottluffs, mit denen von Zeitgenossen beziehungsweise Nachfolgerinnen und Nachfolgern. Und hierbei sind die Bilder, die Hierling einbringt, unverzichtbar.

Direktor Dahme setzt auf den Dialog verschiedener Künstler

Obwohl die Schau eine Fülle von Exponaten bietet, wirkt sie luftig und lockt mit ins Monumentale vergrößerten Holzschnitt-Porträts der „Brücke“-Mannen Karl Schmidt-Rottluff, Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Otto Mueller und Max Pechstein. Neben ihren Bildern finden sich die von Stars wie Max Beckmann und Emil Nolde, aber, und das ist das Spannende, auch von nicht so bekannten Namen. Deswegen kann man echte Entdeckungen machen: ob die geheimnisvollen Bilderrätsel von Walter Becker, ob klar-kraftvolle Naturstudien von Eva Böddinghaus, einer Meisterschülerin von Schmidt-Rottluff (1884-1976), oder zahlreiche Aquarelle von Lothar-Günther Buchheim selbst.

Direktor Stephan Dahme setzt mit seinem Ausstellungskonzept auf den Dialog der verschiedenen Künstler bei „der Befreiung der Farbe“. Sie habe sich damals verselbstständigen können und dabei sei Karl Schmidt-Rottluff, dessen 50. Todestag am 10. August ansteht, prägend gewesen. Von ihm stamme der Gruppenname „Brücke“. Die führt vom Alten zum Neuen, und wir überqueren sie heute noch immer gern.SIMONE DATTENBERGER

„Aufruhr der Farben“

bis 15. November, „25 Jahre Buchheim Museum“ bis 11. Oktober, Di.-So. 10-18 Uhr; Infos unter Telefon 08158/99 70 43 und unter buchheimmuseum.de.

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