Neumarkt-St. Veit – Dass der Platz im Saal eng werden würde, war klar. Denn der erfrischende Chor Vocal Pals ist ein Magnet für Liebhaber besonderer Musikschmankerl. Sein Repertoire reicht von Volksliedern über Jazz und Klassik bis hin zu Pop und Rock bis ganz anders.
Die knapp zwei Dutzend Sängerinnen und Sänger des Chores bringen ihre Lieder in einer gewaltigen Klangvielfalt, ohne jedes Instrument, – a cappella halt. Wenn man die Augen schließt, könnte man allerdings meinen, es spielt ein Orchester mit, denn mit vielartiger Lautmalerei, mit Fingerschnippen, rhythmischen Händeklatschen, Händereiben, auf den Boden klopfen und vielen Dingen mehr bekommen ihre Lieder anderen Schwung, auch Rhythmus und auch veränderte Melodienfolgen.
Dazu kommt, dass alle diese Sänger über einen gehörigen Stimmumfang verfügen, den sie nach dem Dirigat ihrer Leiterin, Caroline Schanzer, exakt einsetzen. Da werden singend Harmonien erzeugt, die man so im Original nicht gewohnt ist. Da erklingen bei mehrstimmigen Sopranen oft harte oder „schräge“ Akkorde, die aber mit der rhythmisch und tonalen Begleitung der Bässe und Altstimmen immer eine gefällige Auflösung finden. Dieses Klangbild kommt häufig auch in umgekehrter Besetzung.
Der Chor verfügt über kleinere Gesangsgruppen wie etwa ein kleiner Frauenchor. Alles klingt erkennbar anders als das Original. Das erzeugt Spannung und im Zuhörer auch Aha-Effekte. So geht’s also auch. Schön, dass es beides gibt!
Humorvoll und informierend werden die Lieder angekündet und dann unvermittelt vorgeführt. Das Wort „vorgeführt“ passt hier tatsächlich, denn den Vortragenden zuzusehen, ist ein Vergnügen. Die Sänger stehen nicht still, sondern „swingen“ stets rhythmisch mit dem gesamten Körper mit, wobei sie ihre Töne mit Stimmbändern und anderen Körperteilen genau nach Anweisung der – fürs Publikum unauffälligen – Dirigentin klingen lassen. Staccato und legato-piano und forte gehen unaufhörlich durch den Chor und erzeugen eine ungezähmt wirkende Lockerheit.
Dazu gab es stets strahlenden Gesichter aller, denen tiefste Bässe oder höchste Töne mal so locker entkommen. Trotz oder wegen aller Faszination swingt der Besucher im Kopf einfach mit. Er ist gefangen; gerne! Karlheinz Janesch