Ein baufälliger Vorgänger

von Redaktion

Erhartinger Pfarrkirche: Brauchtumsverein organisiert Führung durch Gotteshaus

Erharting – lw.0,2

Der Brauchtumsverein Erharting hatte zu einer Führung in der Erhartinger Pfarrkirche St. Petrus und Paulus eingeladen. Etwa 60 heimatgeschichtlich interessierte Besucher waren gekommen, um sich über die Baugeschichte des Gotteshauses, aber auch seiner Vorgängerkirche zu informieren.

Leo Biermaier vom Brauchtumsverein animierte zu Beginn der Führung die Gäste, selbst auf Entdeckungsreise im Kirchenraum zu gehen und die Eindrücke zu schildern. So kam die entgegengesetzte Ausrichtung des Hochaltares zur Sprache und die für eine Dorfkirche aufwendig gestaltete Fassade mit dem übermauerten Giebel.

Erst gab es nur
einen Kirchenpatron

Das Dorf an der Isen wollte den durchziehenden Pilgern nach Altötting und den Reisenden auf der Handelsstraße von Salzburg nach Regensburg etwas Besonderes bieten. Die Skulpturen der Gottesmutter mit dem Jesuskind sowie die Apostelfürsten Petrus und Paulus in ihren Nischen standen schon in der Vorgängerkirche. Nach einer vorliegenden Kirchenrechnung wurden sie 1639 vom Mühldorfer Bildhauer Hans Deyferlich geschaffen. Zum vormals alleinigen Patron, St. Petrus, kam 1639 noch der Apostelfürst St. Paulus dazu.

1754 wurde eine neue Kirche errichtet. Das lag am desolaten Bauzustand des vorherigen Gotteshauses. Deshalb beschloss der damalige Dekan des Kollegiatstiftes Mühldorf, zu dem die Pfarrei gehörte, das Erhartinger Kirchengebäude, das er als das baufälligste und unansehnlichste im weiten Umkreis bezeichnete, durch einen Neubau zu ersetzen.

Baumeister verstirbt überraschend

Die umliegenden Baumeister reichten Kostenvoranschläge ein, der Neuöttinger Baumeister Johann Reißmeir bekam den Zuschlag. Kurz vor Baubeginn verstarb der Meister überraschend und so versuchte seine Witwe, den Auftrag zu erfüllen. Unterstützt von ihrem Schwager Josef Reißmayr aus Landshut stieg sie in den Kontrakt ein.

Zudem punktete der Baumeister mit Lieferanten aus der Region, so dem Ziegler von Eisenfelden und dem Kalkbrenner von Töging. Denn: Wegen ihrer Nähe konnte auch der Fuhrlohn drastisch gesenkt werden.

Am 5. August 1754 wurde der Grundstein durch Dekan Summerer gelegt, assistiert vom Erhartinger Pfarrer und dem Benefiziaten der St.-Stephanus-Kirche in Frixing. Der Weiler Frixing spielte für den Bau eine wichtige Rolle.

Die Bauarbeiten gingen zügig voran und so war schon Anfang Dezember 1754 der Rohbau einschließlich des Daches fertig. Daraufhin bat der Erhartinger Pfarrer Johann Ulrich Polz, die Kirche vorläufig weihen zu lassen, um darin Gottesdienst feiern zu können. Dies wurde auch genehmigt.

Das billigste Angebot im Akkordverfahren hatte Auswirkungen auf die Qualität der Handwerkerarbeiten. Schon bald nach der Einweihung der Erhartinger Kirche, am 19. September 1762, zeigten sich gravierende Baumängel. So berichtete der Pfarrer, dass im Winter der Schnee durch das Dach hereinweht und das Schmelzwasser durch das Gewölbe herabtropft und deshalb im Kirchenraum Scheffel aufgestellt werden müssen, um das Wasser aufzufangen. Grund dieser Panne. Einige der damals beanstandeten „Baumängel“ sind bis heute nicht behoben.

Frixing sprang bei
der Finanzierung ein

Die Pfarrei Erharting war eine der „ärmsten“ Pfarreien und hätte aus eigener Kraft den Neubau der Kirche niemals selbst finanzieren können. Hier sprang das begüterte Benefizium St. Stephanus in Frixing in die Bresche. Diese Kirche, die im Zuge der Säkularisation demoliert wurde, verfügte über beträchtliche Einkünfte aus Grundbesitz und Einnahmen aus dem traditionellen Stephaniumritt.

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