„Nevnmarcht“ zur Zeit der Marktgründung

von Redaktion

Mittelalter-Experte Daniel Baumgartner hat die ersten 250 Jahre des Ortes erforscht

Neumarkt-St. Veit – Der 750. Geburtstag seines Heimatortes – das ist nicht nur für Neumarkt-St. Veit ein Grund zum Feiern, sondern hat Daniel Baumgartner dazu inspiriert, seinen Wohnort historisch zu untersuchen. Ausgehend vom Jahr der Marktgründung 1269 hat der Koordinator der Geschichtsarbeit im Landkreis Mühldorf die folgenden 250 Jahre unter die Lupe genommen. Entstanden ist ein Vortrag, den der 32-Jährige am morgigen Samstag im Herzoglichen Kasten halten wird. Dabei wird Baumgartner seine Schwerpunkte auf die Gründungsumstände setzen, auf den Inhalt der Gründungsurkunde eingehen sowie die Frühgeschichte des ersten Vierteljahrtausends seiner Existenz beleuchten.

Keine Urkunde,
aber Vereinbarung

Die Zeitrechnung für den Markt an der Rott beginnt 1269, das Jahr der Marktgründung. „Die Quellen sind überschaubar, aber es ist was vorhanden“, sagt dazu der Neumarkt-St. Veiter, der Mittelalterliche Geschichte und alte Geschichte mit Schwerpunkt Bayerische Geschichte sowie Politikwissenschaften studiert hat. Die Arbeiten der Historiker Professor Hubensteiner und Lu Angermeier sowie des früheren Stadtarchivars Walter Jani hätten geholfen, aber auch Recherchen im Bayerischen Staatsarchiv und Fachliteratur. Dabei habe sich herausgestellt: In der Urkunde vom 14. August 1269, die im Namen von Herzog Heinrich XIII. von Niederbayern in Neuötting ausgestellt wurde, wird die Gründung des Marktes Neumarkt lediglich als in der Vergangenheit liegend erwähnt. Sie enthalte nicht Hinweise auf Rechte und Ausstattung des Marktes, vielmehr handle es sich um die Verschriftlichung der Vereinbarungen Heinrichs mit dem Abt von St. Veit. Für Baumgartner stellt diese 1345 verfasste Abschrift der ursprünglichen Urkunde einen Glücksfall dar. „Für viele andere Orte, darunter beispielsweise Mühldorf, existiert überhaupt kein Hinweis auf die Zeit oder die Umstände der Gründung.“

Zölle, Maut und
Steuern für Herzöge

Über die Hintergründe einer Marktgründung sagt Baumgartner, dass im Vergleich zu Städten, die aufgrund ihrer Befestigungen auch militärische und strategische Aufgaben erfüllt hätten, die Märkte für die Bayernherzöge vor allem aus wirtschaftlichem Interesse gegründet worden seien. Steuern, Zölle und Mautzahlungen hätten einen maßgeblichen Beitrag für die herzoglichen Kassen geliefert.

Wie sah Neumarkt zur Zeit der Marktgründung aus? Aus der „Gründungsurkunde“ wisse man, so Baumgartner, dass es zum Zeitpunkt der Marktgründung bereits die Kirche St. Johann inklusive eines Hofes gegeben habe. Über die weitere Entwicklung des Marktes gebe es kaum Niederschriften, erst im Laufe des 14. Jahrhunderts tauchen wieder Quellen auf, erklärt Baumgartner. In Aufzeichnungen des Klosters St. Veit wird das Kloster nahe Neumarkt genannt (prope Nouum Forum). Ein erster Einwohner Neumarkts, laut Baumgartner wohl ein Schmied, wird am 22. Januar 1312 mit dem Namen „Ulreich“ erwähnt. 1335 findet sich sogar die Erwähnung eines Gasthauses. In einer Urkunde vom 7. August 1335 wird ein Badehaus („pastuben“) genannt. Und auch von einer Mühle ist die Rede, 1379 war das („mul vor dem perg“), „vermutlich die Klostermühle“, doch der 32-jährige Geschichtsforscher will sich da nicht festlegen.

Erstes Bild von
Neumarkt ein Fresko

Die bauliche Entwicklung des Marktes lässt sich laut Baumgartner zunächst nur vermuten. „Das erste uns bekannte Bild von Neumarkt stammt aus dem Jahr 1588 und wurde von Hans Donauer für die Städtebilder im Antiquarium der Münchner Residenz gemalt. Auf diesem Bild hat der Neumarkter Stadtplatz bereits weitgehend seine heutige Gestalt, einschließlich der beiden Stadttore“, informiert Baumgartner.

Eine schützende Mauer hat es in Neumarkt-St. Veit nie gegeben, weiß der Historiker. Wohl aber einen Graben, worauf Funde im Zuge von Grabungsarbeiten 2016 hinweisen und der auch schriftlich dokumentiert worden ist. Dass sich der Markt aber entwickelt habe, darauf deuten Quellen aus den Jahren 1339 und 1379 hin, die auf einzelne Gebäude „hinder dem marcht“ oder „vor dem marcht“ verweisen. Um den Markt in seinem Wachstum zu unterstützen, verliehen die niederbayerischen Herzöge der Ansiedlung an der Rott Privilegien und Rechte, das Marktrechtsprivileg stammt aus dem Jahr 1366.

Herzoglicher Kasten entsteht 1459

Als Blütezeit Neumarkts wird die Zeit um 1450 beschrieben. Ein Schulmeister findet Erwähnung, bereits 1434 ist ein Rat nachweisbar, als Kämmerer sogar namentlich bekannt ist Stephan Egkel (1449).

Baulich tritt der Herzogliche Kasten in Erscheinung (1459), in eben diesem Jahrhundert wurde auch die Marktkirche St. Johann im gotischen Stil neu errichtet.

Im Zuge des Landshuter Erbfolgekrieges wurde Neumarkt am 4. Juni 1504 von oberbayerischen Truppen Herzog Albrechts IV. geplündert und niedergebrannt. Davon scheint sich der Markt lange Zeit nicht erholt zu haben. Baumgartner verweist auf den Pflasterzoll, den der siegreiche Herzog im Januar 1509 genehmigt hatte, um den Wiederaufbau zu fördern. Die ersten 250 Jahre waren geschafft.

Elsenbach als nächstes
Geschichts-Projekt

Darüber referiert Daniel Baumgartner am Samstag, 23. November, um 14.30 Uhr im Herzoglichen Kasten. Und die weiteren 500 Jahre bis zur Gegenwart? Sind die schon in Planung? Baumgartner wehrt ab: „Mein Schwerpunkt ist das Mittelalter!“ Und so werden seine weiteren Forschungen die Außengemeinden um Neumarkt in den Mittelpunkt rücken.

Und dann gäbe es ja auch bald noch ein Doppeljubiläum zu feiern: Die Geschichte des Klosters St. Veit und Elsenbachs, die im Jahre 1121 begann und 2021 auf eine 900-jährige Geschichte zurückblicken kann. Die Suche nach Puzzleteilen, um Einblick in die mittelalterlichen Strukturen an der Rott zu gewinnen, ist für Baumgartner also noch nicht beendet.

Über das „Das frühe Neumarkt (1269-1509)“ und „Die Neumarkter Marktkirche St. Johann und das Jahr 788“ hat Daniel Baumgartner zwei Aufsätze verfasst, die in der aktuellen Ausgabe „Das Mühlrad“ (Band 61/Jahrgang 2019) abgedruckt sind. Anlässlich der Markterhebung vor 750 Jahren hat die Stadt Neumarkt-St. Veit die Urkunde von 1345 als Repliken vervielfältigen lassen. Diese gibt es im Rathaus Schloss Adlstein zu kaufen.

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