Seit zwei Jahren zu Hause im eigenen Auto

von Redaktion

Seit Monaten lebt Elke Marchionini (62) in Waldkraiburg in ihrem Auto. Nach dem Tod ihrer Mutter und einem Erbstreit verlor die Frau ihr Zuhause. Nun hofft sie auf Hilfe, um eine neue Wohnung zu finden, denn ihr Auto ist bald nicht mehr fahrtüchtig.

Waldkraiburg – Jetzt, da die Tage und Nächte wieder wärmer werden, wird es auch für Elke Marchionini etwas leichter. Seit Monaten ist die 62-jährige Frau obdachlos, den zweiten Winter in Folge hat sie bereits im Auto gelebt. Eine Wohnung hat sie nicht – und eine Perspektive bislang auch nicht.

Ihr Auto parkt am Straßenrand im Industriegebiet, ist Schlafplatz, Rückzugsort und letzter privater Raum zugleich. Den Vormittag verbringt sie meist im Tageszentrum der Diakonie. Dort kann sie sich aufwärmen und ihr Handy aufladen. Nachmittags ist der Kontaktladen in Töging oft Anlaufstelle für sie. „Die haben einen kostenlosen Shuttle und dort kann ich mich auch waschen“, erzählt sie.

Über viele Jahre hat Elke Marchionini im Haus ihrer Mutter gelebt. Wegen gesundheitlicher Probleme sei es ihr nie möglich gewesen, dauerhaft zu arbeiten, erzählt sie. Nach dem Tod ihrer Mutter änderte sich ihre Situation grundlegend. Im Streit um das gemeinsame Erbe fühlt sie sich von einem Miterben übergangen. Als das Haus der Mutter versteigert wurde, verlor sie ihr Zuhause. Zwischenzeitlich lebte sie in Ungarn, während dieser Zeit sei das Haus geräumt worden.

Reparatur des Wagens
lohnt sich nicht mehr

Seitdem schläft sie im Auto, was nicht immer einfach ist. Gerade dieser Winter war sehr kalt. „Mitbürger haben mir Suppe und eine Decke gebracht. Die haben sich um mich gekümmert, ansonsten wäre ich vielleicht erfroren“, sagt die 62-Jährige. Eine dauerhafte Lösung ist das nicht: Ihr Auto ist kaputt, eine Reparatur lohnt sich finanziell nicht mehr. „In zehn Monaten läuft der TÜV ab, dann muss der Wagen auf den Autofriedhof“, erzählt sie. Wo sie danach leben soll, weiß sie nicht.

Bei der Stadt hat sie zwischenzeitlich einen Wohnberechtigungsschein beantragt. Doch die Hoffnung auf eine bezahlbare Wohnung hält sie für gering. Der Wohnungsmarkt für Menschen mit geringem Einkommen sei angespannt, zumal erst kürzlich 80 Mieter in der Graslitzer Straße die Kündigung erhielten. Eine Unterbringung in der Obdachlosenunterkunft kommt für sie nicht infrage. „Das ist eine Notunterkunft. Da würde ich nicht mal einen Hund unterbringen.“

Sie spricht nicht gerne über ihre Situation. „Wenn ich darauf angesprochen werde, wo ich wohne, druckse ich herum.“ Wegen chronischer Krankheiten konnte sie nach eigenen Angaben nie wirklich arbeiten. Heute hat sie keinen Arbeitsplatz, keinen festen Wohnsitz und keine Meldeadresse. Bürgergeld bezieht sie nicht. Ihren Lebensunterhalt finanziert sie noch aus ihrem Anteil am Erbe.

Dass sie nun ihre Situation öffentlich macht, fällt ihr nicht leicht. Trotzdem hofft sie auf diesem Weg, vielleicht doch noch eine Wohnung zu finden. „Es hat vielleicht jemand ein Zimmer frei“, wünscht sie sich. Am liebsten würde sie hier in Waldkraiburg bleiben – die Stadt, in der sie seit 62 Jahren lebt.

„Ich werde so lange in meinem Auto schlafen, bis ich ein Zimmer oder eine kleine Wohnung für mich finde.“

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