Jonathan H. (v.li.), Michael M., Michael P. und Bernd Z. auf der Anklagebank. © SIGI JANTZ
Graue Haare, Rauschebart und Bauchansatz: Das sollen gefährliche Gangster sein? Vier ältere Männer sitzen gestern auf der Anklagebank des Landgerichts – laut Generalstaatsanwaltschaft handelt es sich bei dem Quartett um eine kriminelle Waffenbande. Sie soll Kriegswaffen aus dem früheren Jugoslawien nach Deutschland gebracht haben, um sich zu bereichern – unter anderem halbautomatische Gewehre und Flinten. Die Taten reichen in den Zeitraum 2015 bis 2018 zurück. Doch es geht nicht nur um den Handel: Laut Anklage haben die Männer die Waffen auch gelagert – und arbeiteten in enger Abstimmung zusammen. Mutmaßlich eng an die rechte Szene angelehnt.
Vor Gericht legten die Täter Geständnisse ab – allerdings nur in zwei Punkten der umfangreichen Anklage. Die Männer erwartet nun je eine Haftstrafe auf Bewährung – zwischen einem Jahr und einem Jahr und acht Monaten.
Enge Bezüge weist der Fall auf zu einem großen Strafverfahren, das bereits 2022 in München stattgefunden hatte. Ebenfalls am Landgericht waren damals zwei 49-jährige Männer zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden – einer davon sei laut Süddeutscher Zeitung ein Ex-Mitglied im AfD-Kreisverband München. Sie hatten Sturmgewehre, Pumpguns, eine Kalaschnikow, zwei Dutzend Pistolen sowie eine Handgranate eingeschmuggelt – und gelten als die Haupttäter der Waffenbande. Die jetzigen Angeklagten sollen ihre Handlanger sein.ANDREAS THIEME