Investor Ralf Büschl vor der Paketpost-Halle: Er plant dort die 155-Meter-Türme. © Marcus Schlaf
So sollen die Türme auf dem Gelände nach Fertigstellung aussehen. © Herzog/de Meuron
Gut sieben Jahre ist es her, dass Ralf Büschl seine Pläne für das Paketpost-Areal erstmals vorgestellt hat: Zwei Türme mit jeweils 155 Metern Höhe will der Investor hier nahe der Friedenheimer Brücke errichten – als Teil eines neuen Quartiers. Die Pläne lösten hitzige Debatten aus, beschäftigten immer wieder den Stadtrat und zogen fast ein Bürgerbegehren nach sich (das jedoch nicht zugelassen wurde). Nun rückt das Projekt einen weiteren Schritt näher an die Umsetzung. Der Stadtrat hat gestern beschlossen, den entsprechenden Bebauungsplan zu veröffentlichen – voraussichtlich am 30. Juni, wie das Planungsreferat mitteilte. Damit tritt dieser Plan dann offiziell in Kraft.
Die Büschl-Gruppe plant auf dem rund zwölf Fußballfelder großen Areal insgesamt 1190 Wohnungen in den beiden Türmen. Knapp die Hälfte davon soll gefördert sein. Hinzu kommen rund 55 preisreduzierte Wohnungen für Menschen in systemrelevanten Berufen. Außerdem sollen Arbeitsplätze für rund 3000 Menschen entstehen. In der denkmalgeschützten Paketposthalle, die erhalten bleibt, soll ein Ort für Kultur geschaffen werden. Oben in einem der Hochhäuser ist zudem ein Biergarten geplant. Die Büschl-Gruppe bezeichnet das Projekt als „Blaupause für die moderne 15-Minuten-Stadt: Wohnen, Arbeiten, Gesundheit, Unterhaltung und Einkaufen – alles eng verzahnt und urban lebendig“.
Wie geht’s jetzt weiter, wann kann der Bau starten? Sobald der Bebauungsplan veröffentlicht ist, will der Investor zügig noch ausstehende Architekturwettbewerbe durchführen. Die sind vertraglich festgelegt und sollen die genaue Gestaltung der Fassaden sowie der niedrigeren Gebäudeteile befassen. Die markante Form und die Höhe der Türme stehen laut einem Vertreter der Büschl-Gruppe dagegen bereits fest. Läuft alles nach Plan, sollen die Ergebnisse des Wettbewerbs Ende dieses Jahres vorliegen.
Die Büschl-Gruppe plant, die letzten Bauanträge 2027 einzureichen. Nach deren Genehmigung könnte der Bau starten. Ziel ist es, das Projekt bis 2033 fertigzustellen. Allein die Tiefbauarbeiten dürften etwa ein Jahr dauern.
Das städtische Planungsreferat sieht nun auch keine weiteren rechtlichen Risiken für den Bebauungsplan. Gegner des Projekts könnten nur noch versuchen, die Satzung innerhalb eines Jahres per Normenkontrollverfahren anzugreifen, um die Zulässigkeit juristisch prüfen zu lassen. Unabhängig davon bleibt ein Thema offen – und darum ging es auch gestern im Stadtrat: Wie geht es mit dem Backstage weiter, das direkt neben der Paketpost liegt? Die Betreiber des Kulturzentrums befürchten, dass durch den Bau ihre Existenz gefährdet werden könnte (wir berichteten) – vor allem durch mögliche Lärmklagen künftiger Bewohner.
Im Stadtrat herrschte weitestgehend Einigkeit, dass das Backstage erhalten bleiben soll. Sibylle Stöhr von den Grünen, die auch für die Paketpost-Pläne stimmten, sagte etwa: „Wir stehen zum Backstage und wollen es erhalten. Büschl hat sein Wort gegeben, nicht zu klagen.“ Backstage-Betreiber Hans-Georg Stocker bezeichnete den Beschluss als „Watschn“ für das Backstage, die es dem Kulturzentrum nicht leichter mache: „Ich hoffe nun nur, dass Herr Büschl zu seinem Wort steht.“JULIAN LIMMER