Fit an der Flex: Marco Eckl legt mit Freuden Hand an.
Marco Eckl (29, Foto re.) restauriert seit Monaten die traditionsreiche Zugspitzbahn von 1936. Sie war zuletzt 2022 auf der Wiesn. © achim schmidt, jens Hartmann (2)
Mittwochvormittag in einer Lagerhalle am Rand von Abensberg (Niederbayern). Draußen nieselt’s, drinnen sprühen Funken. Marco Eckl (29), grauer Kapuzenpulli, blaue Latzhose, schwarze Kappe, steht an einer Arbeitsplatte. Mit der Flex in beiden Händen bearbeitet er ein Stück Metall. Er schleift an der Rückkehr einer Wiesn-Legende: der Zugspitzbahn. Er will, dass sich das Karussell von 1936 heuer wieder dreht.
Unsere Zeitung trifft Eckl vier Monate vor dem Anstich. „Viele denken, dass ich nichts kann“, erzählt er. „Und ich werde gern unterschätzt. Aber ich habe mir einiges draufgeschafft, auch Flexen und Schweißen. Das trauen einige mir gar nicht zu.“ Er lacht. Der gelernte Hotelfachmann aus München lebt offen homosexuell und amüsiert sich über solche zugeschriebenen Eigenschaften.
Er habe nach seiner Lehre in London und Dubai gearbeitet. „Ich wollte Star im Reality-TV werden, aber das hat nicht geklappt. Da hat mein Vater gefragt, wie mein beruflicher Weg aussieht.“ Und der Plan heißt Zugspitzbahn. Daran werkelt er auf dem Gelände in Abensberg (Kreis Kelheim) mit ein paar Helfern und seinem Vater Manfred. In drei Hallen stehen Teile des Fahrgeschäfts. Manches hat Marco weggeworfen, manches wartet auf seine Restauration. „Ich tausche einige Bauteile aus“, sagt er. Zuletzt haben sie die 20 Gondeln abgeschliffen, später wird die bekannte weiß-blaue Lackierung aufgefrischt. Davor kommen sie zum Polsterer.
Ab 19. September soll die Zugspitzbahn ihre Runden drehen. Ticketpreis pro Person: fünf Euro. Den Zuschlag für die kommende Wiesn hat Eckl schon – ein Riesenerfolg für den Neuling. Kurz vor dem Anstich muss nur noch der TÜV grünes Licht geben. Seine Familie habe früher mal eine Zugspitzbahn besessen. „Für meinen Vater ist das ein Herzens-Fahrgeschäft. Und er hat zu Michael Menzel mal gesagt: Wenn du es verkaufen willst, denk an mich.“
Vorbesitzer Menzel betrieb die Bahn mehr als zwei Jahrzehnte lang auf der Wiesn – bis sie 2022 plötzlich stillstand. Zuerst fehlte ein Ersatzteil, dann musste er auf den TÜV warten. Ob sie am Ende noch startete, war unklar. Ab 2023 fehlte das traditionsreiche Fahrgeschäft jedenfalls. Irgendwann rief Menzel bei Manfred Eckl an. „Und 2024 haben wir drei uns auf der Oidn Wiesn zusammengesetzt.“ Marco tütete schließlich alles ein und seit Oktober 2025 macht er seine Zugspitzbahn fit.
Die Eckls sind eine Schausteller-Dynastie. Marcos Vater Manfred etwa findet man mit dem Techno Power auf dem Frühlings- und Oktoberfest. Auch den pflegen sie auf dem Areal in Abensberg. Manfred ist ein wichtiger Berater für Marco. Die Zugspitzbahn an sich habe er für eine niedrige sechsstellige Summe gekauft. Die Restauration koste etwa eine halbe Million Euro. Dazu macht Marco aktuell für 15.000 Euro einen Lasterführerschein, damit er sein Karussell selbst auf die Theresienwiese bringen kann. „Jetzt habe ich natürlich einen Haufen Schulden – ich denke aber vor allem daran, dass sie am Ende gut und sicher laufen soll.“ Das sei viel Verantwortung, er schlafe auch nicht mehr so gut wie vorher. Aber: „Mein Vater sagt immer: ‚Des griang ma scho.‘ Und das beruhigt mich.“
Auch die Berglandschaft, um die die Gondeln sausen, wird neu per Hand gemalt. Und das sogenannte Fahrerhaus soll als urige Berghütte in Holz- und Stein-Optik daherkommen. Darin macht Marco am Mikro die Ansagen. „Ich bin halt ein Zirkuspferd, ein Showman!“, sagt er und lacht. Und heuer soll die Show weitergehen. Auch mal nette Wiesn-Neuigkeiten also.REGINA MITTERMEIER