MÜNCHNER FREIHEIT

Der bewegte Mai

von Redaktion

Ja mei, der Mai. Es gibt eine Phase im Leben, da wird der Wonnemonat zum Kolonne-Monat. Irgendwann zwischen 25 und 35 heiraten plötzlich alle, und das deutschlandweit. Der gemeine Münchner reist den Jaworten seiner Freunde hinterher wie ein Allesfahrer seinem Lieblingsfußballverein. Am ersten Samstag des Monats feiert er in Leipzig, am zweiten in Lippstadt, am dritten in Lindau. Die Hälfte seines Wochenendes steckt er im Stau, die andere Hälfte im Anzug. Gibt es schon ein Wort dafür? – Altarhopping wäre vielleicht passend, und für die Gäste: Tortenschlachtenbummler.

Der bewegte Mai ist trotzdem manchmal von Wiederholungen geprägt: Denn irgendein Gast hat bestimmt auf einer vergangenen Hochzeit ein besonders lustiges Spiel gesehen, das er jetzt zur aktuellen Hochzeit mitbringt. So entstehen Moden, Brautmoden sozusagen. Das birgt Gefahren: Auf der Hochzeit meiner Freunde Tina und Max zog sich einmal ein kompletter Freundeskreis zurück, um seine Einlage zu proben – und verpasste dadurch den Moment, da ein anderer Freundeskreis die exakt gleiche Einlage aufführte.

Die Braut wird auch jedes Wochenende aufs Neue entführt und wieder gefunden – außer in diesem einen Fall, der sich vor ein paar Jahren angeblich in Lenggries zugetragen haben soll. Da ging es für die entführte Braut nämlich in die Brauneckbahn und damit hoch ins Panoramarestaurant. Dummerweise schmeckte der Wein dort zu gut für die letzte Talfahrt. Letztendlich wurde die Hochzeitsnacht eine recht einsame Angelegenheit für den Bräutigam im Tal. Und der für Hochzeitsfeier engagierte Musiker verstand erstmals den Begriff „Alleinunterhalter“.

Nicht minder legendär ist die Geschichte eines sehr talentierten Fußballers aus meinem Bekanntenkreis, der auf seiner eigenen Hochzeit auf dem Tisch tanzte. Die Band spielte „Satisfaction“ von den Rolling Stones, er konnte nicht genug davon bekommen. Beim Schlussakkord des Songs schließlich sprang er zurück auf den Boden – und riss sich das Kreuzband.

Interessant aber: So schmerzhaft diese Geschichten klingen – nur so erreichen die Hochzeiten Legendenstatus. Denn seien wir ehrlich: Eine Hochzeit, bei der alles klappt, ist vielleicht der schönste Tag im Leben des Brautpaars. Aber für die Altarhopper aus dem Freundeskreis ist sie schon Anfang Juni wieder vergessen. Deshalb ein Trost für diejenigen, die sich an den restlichen beiden Maiwochenenden fürchterlich blamieren werden: In ein paar Jahren haben Sie wunderschöne Geschichten zu erzählen! Freuen Sie sich darauf!

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