Präsidentschaftsrennen in den USA

Demokraten auf Sinnsuche

von Redaktion

MIKE SCHIER

Am 20. Januar feiert Donald Trump erst die Halbzeit seiner (ersten?) Amtszeit als US-Präsident. Doch das Präsidentschaftsrennen hat fast zwei Jahre vor der nächsten Wahl schon begonnen. Senatorin Elizabeth Warren aus Massachusetts kündigte als erste Demokratin an, Trump 2020 herausfordern zu wollen. Es ist der Startschuss für ein Rennen, das so schwierig und unübersichtlich werden dürfte wie selten zuvor: Gut 30 Namen werden gehandelt – vom ehemaligen Obama-Vize Joe Biden über Bernie Sanders, der Überraschung von 2016, bis zu Namen, die im Ausland kaum bekannt sind. Beto O’Rourke (Texas) zum Beispiel oder Cory Booker (New Jersey).

Der Ausgang ist zum jetzigen Zeitpunkt völlig offen, vor allem, weil die Demokraten ihre Findungsphase, welche Partei sie eigentlich sein wollen, noch nicht abgeschlossen haben. Hillary Clinton stand 2016 für das klassische Mitte-Links-Establishment, das sich für den politischen Erfolg mit milliardenschweren Spendern arrangiert. Ihr erstaunlich erfolgreicher Herausforderer Sanders zeigte aber das große Verlangen im linken Lager, einen radikaleren Kurs einzuschlagen. Diese Tendenz dürfte in der undankbaren Opposition gegen Trump eher zugenommen haben. Gut möglich, dass ein jüngerer Sanders (der 2020 schon 79 Jahre alt ist) am Ende das Rennen macht.

Bislang aber ist kein echter Hoffnungsträger in Sicht. Auch das erklärt die erstaunlich guten Werte für den so polarisierenden Amtsinhaber. Entschieden ist damit nichts: Die politischen Zeiten sind mehr als instabil. Und auch Herrn Trump hatte zwei Jahre vor der Wahl kein Beobachter ernsthaft als Präsidenten auf der Agenda.

Mike.Schier@ovb.net

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