Halblaute Rufe nach Söder

Die Wucht der Fraktion

von Redaktion

CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER

Zum Glück hat der Bundestag ein Handbuch, in dem auch noch die allerunbekanntesten CDU-Abgeordneten verzeichnet sind. Diese Kategorie ist es, die jetzt nach einem Kanzlerkandidaten Markus Söder ruft. Anlass zu Spott? Oh nein, ein Alarmsignal für Armin Laschet. Unterschätzen sollte diese Rufe keiner. Auffällig ist nämlich: Es sind Direktabgeordnete, also mit höchster Legitimation – für sie ist die ehrliche Stimmung im Wahlvolk entscheidend, nicht der Parteigehorsam vor der nächsten Listenaufstellung. Wenn sie nach einem stärkeren Kanzlerkandidaten rufen, weil sie für die Union sonst ihre Wahlkreise zu verlieren drohen, hat das Gewicht.

Werden sie die einzigen bleiben? Landauf, landab, wackeln (nicht nur wegen Impf-Trödelei und Raffke-Affären) einst sichere schwarze Kreise: Im Osten nagt die AfD, in Städten – ganz besonders München – die Grünen, im Westen teils sogar die SPD. Wenig entfaltet solche Urgewalt wie Parlamentarier, die um ihr Mandat fürchten. Hier kann jedes fehlende Achtelprozentpünkterl radikal Karrieren beenden. Vorstandsbeschlüsse und Wolfratshauser Frühstücke sind deshalb spannende Sachen, gewiss. Bei Strauß war’s aber 1979 die Unionsfraktion, die ihn statt Ernst Albrecht (CDU) zum Kanzlerkandidaten machte. Wie die Wahl ausging, ist freilich eine andere Sache.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

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