Wird es zu harschen Konsequenzen für die Saudis kommen, nachdem diese – an einem Strang mit Russland ziehend – bei der letzten OPEC-Sitzung Produktionskürzungen verkündet hatten? Glaubt man US-Sicherheitsberater Jake Sullivan, dann will Präsident Joe Biden „methodisch“ über eine Antwort entscheiden. Das klingt nach Aussitzen, was allerdings dem Regime in Riad erneut nur die Schwäche der Weltmacht signalisieren würde. Grund für eine starke Antwort hätte Biden allemal: Schließlich ließen ihn die Scheichs bei der Bitte abblitzen, über ein Zudrehen des Ölhahns erst nach den US-Kongresswahlen am 8. November zu entscheiden. Der Demokrat wollte damit vermeiden, dass die Energiepreise ausgerechnet vor dem Urnengang wieder anziehen.
Unabhängig von den US-Wahlen verdient das rücksichtslose Verhalten der Saudis, denen die prekäre Situation auch in Europa bewusst ist, eine spürbare und schmerzhafte Antwort. In den USA werden bereits Rufe laut, US-Luftverteidigungssysteme aus Saudi-Arabien abzuziehen und diese Technologie der Ukraine zur Verfügung zu stellen. Doch irgendwie hat man das Gefühl, dass das Weiße Haus eine Total-Konfrontation mit Riad scheut, weil man weiter auf das Öl angewiesen ist. Vermutlich hofft Biden, dass die Bürger irgendwann vergessen, dass er einmal von „Konsequenzen“ gesprochen hat.
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