„Damals war ich Merz nicht Falke genug“

von Redaktion

Nach seinem Politik-Ausstieg spricht Christian Lindner über sein neues Leben – und teilt gegen den Kanzler aus

Vom Minister zum Autohändler: Christian Lindner. © dpa

Berlin – Christian Lindner sieht noch genauso aus, wie man ihn als Bundesfinanzminister kannte. Dunkler Anzug, weißes Hemd, frischer Haarschnitt – ein bisschen weniger Sorgenfalten vielleicht. So sitzt der 46-Jährige in der ARD-Sendung von Sandra Maischberger.

Der Mann, der lange das Gesicht der FDP war, ist heute kein Politiker mehr. Er blicke auf seine Karriere zurück wie ein Sportler, der sich an Pokale und Meisterschaften erinnere, auch wenn die letzte Saison „nicht so gut“ gewesen sei, sagt Lindner. Wir erinnern uns: Lindners letzte Saison, das war der Zusammenbruch der Ampel-Koalition, in dessen Verlauf der damalige FDP-Chef eine maßgebliche Rolle einnahm. Lindner bereut das nicht. Im Zweifel würde er sich auch heute wieder für seine Überzeugungen entscheiden, sagt er.

Er hätte gerne weitergemacht, „damit da kein Missverständnis entsteht“, sagt Lindner schon auch. „Aber so wie es jetzt ist, ist es auch gut.“ Als liberaler Politiker in der Regierung habe er immer viel über die Freiheit anderer gesprochen, selbst aber „in einem sehr engen Korsett“ gesteckt. Er erlebe nun eine ganz andere Art der Selbstbestimmung. Der FDP wünsche er „Fortune“. Es klingt fast ein bisschen distanziert. Immerhin: Wählen wird er die Liberalen jedenfalls weiterhin, macht Lindner klar.

Heute ist Lindner stellvertretender Vorstandsvorsitzender eines größeren Autohandelsunternehmens mit Geschäftssitz in Sachsen-Anhalt. Eine Nachricht, die als sie herauskam, teilweise auch für Spott sorgte. „Die dachten, ich werde Hedgefonds-Manager in New York“, sagt Lindner. An den hämischen Kommentaren über den angeblichen sozialen Abstieg des Bundesministers könne man aber sehen, was gerade in Deutschland schiefläuft, findet Lindner. „Wenn Autobranche, Mittelstand und Ostdeutschland das Problem sind.“

Für den heutigen Kanzler Friedrich Merz, der einst im Privatflieger zu Lindners Hochzeit einflog, findet er kritische Worte. „Ich frage mich, warum Friedrich Merz nicht starke Führung zeigt“, sagt Lindner. Er erwarte, dass der Kanzler sage, diese Rentenpolitik, die können wir der jungen Generation nicht auch noch zumuten, wenn sie schon für unsere äußere Sicherheit einen Wehrdienst in Kauf nimmt. Auch, dass sich der Kanzler auf das Schuldenpaket von Union und SPD einließ, kritisiert Lindner – gerade, wenn er an den CDU-Chef als Oppositionspolitiker zurückdenkt. „Damals war ich für Friedrich Merz noch nicht Falke genug.“

Ob er selbst noch mal in die Politik zurückkehrt, fragt Maischberger Lindner auch. Die Antwort: „Ich bleibe ein politischer Mensch.“ Aber nach 25 Jahren habe er „keine Sehnsucht danach, wieder neu für Ämter zu kandidieren“.HOR

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