Die Ukrainer stehen vor dem vierten Kriegswinter, wohl dem bislang härtesten. Denn Wladimir Putin setzt jetzt noch massiver auf Terror gegen die Zivilbevölkerung, wie der schreckliche Angriff auf Ternopil zeigt. An der Front im Osten steht die strategisch wichtige Stadt Pokrowsk vor dem Fall, dazu kommen Selenskyjs hausgemachte Probleme mit dem Korruptionsskandal in seiner Regierung. Es gibt also durchaus Gründe, warum Kiew inzwischen zu größeren Zugeständnissen bereit sein müsste als noch vor einem Jahr. Doch das, was Donald Trump nun laut US-Berichten als neuen Friedensplan vorlegt, ist nicht nur für die Ukrainer, sondern auch für uns Europäer inakzeptabel: Es kann nicht sein, dass die Ukraine ihre Streitkräfte halbieren muss. Denn wenn es eine Lehre aus der Geschichte dieses Ukraine-Konflikts gibt, dann die: Putin ist nicht zu trauen. Das einzige, was ihn von brutaler Durchsetzung seiner Ideen abhalten kann, ist militärische Abschreckung.
Donald Trumps für den Kreml schmerzhafte neue Öl-Sanktionen waren ein Mutmacher für die Ukrainer in diesen schweren Zeiten. Sein erneuter Rückfall zu einer Politik, die zu 100 Prozent auf Kreml-Linie zu liegen scheint, wirkt da wie ein Schock. Dieser „Deal“ ist in Wahrheit ein Kapitulationspapier. Selenskyj muss im Schulterschluss mit der EU Trump überzeugen, dass endlich ein Plan auf den Tisch muss, der dem Aggressor neue Angriffe erschwert, nicht dem Opfer die Verteidigung.KLAUS.RIMPEL@OVB.NET