Gipfel-Wirbel: Weimer gibt Firmenanteile ab

von Redaktion

Treuhänder soll nach Vorwürfen bis Amtsende übernehmen – Ehefrau verzichtet auf Verfassungsorden

München – Der Druck war in den vergangenen Tagen gestiegen. Nachdem die Aufregung um den vom derzeitigen Kulturstaatsminister Wolfram Weimer ins Leben gerufenen Ludwig-Erhard-Gipfel am Tegernsee nicht abriss, kündigte der Medienunternehmer gestern an, seine Anteile an der veranstaltenden Weimer-Media-Group an einen Treuhänder zu übertragen. Ein Befreiungsversuch, der kein Schuldeingeständnis sein soll. „Ich vollziehe diese Trennung allein, um jeglichen Anschein eines Interessenkonflikts zu vermeiden, der indes tatsächlich nie bestanden hat“, betont Weimer. Bisher hielt er 50 Prozent, die andere Hälfte seine Frau.

Kern der Kritik an Weimer ist der Verdacht, er nutze als Mitglied der Bundesregierung und Vertrauter von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) seine Verbindungen, um Geld zu verdienen. Ein Vorwurf, den Weimer am Mittwoch als „Lüge“ zurückwies. Berichtet hat darüber zunächst das Online-Medium „Apollo News“, das sich dabei auf Kooperationspakete bezieht, die vom Unternehmen für bis zu 80 000 Euro angeboten worden seien. Dabei sei mit „Einfluss auf die politischen Entscheidungsträger“ geworben worden. Weitere Fahrt nahm die Affäre auf, als die Staatsregierung von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) Anfang der Woche bekanntgab, zu hinterfragen, ob die Veranstaltung weiterhin vom Freistaat gefördert werden soll. Insgesamt rund 700 000 Euro sollen seit 2022 geflossen sein. Bis die Staatskanzlei ein Ergebnis bekannt gibt, dürfte es aber noch eine Weile dauern.

Auch Weimers Frau Christiane Goetz-Weimer – die seit dessen Eintritt in die Bundesregierung die Geschäfte ohne ihn führt – reagiert und verzichtet vorerst auf die Annahme des Bayerischen Verfassungsordens, den sie Anfang Dezember von Landtagspräsidentin Ilse Aigner erhalten sollte. Sie hätte den Orden gerne entgegengenommen. „Doch es steht zu befürchten, dass die aktuelle Diskussion um den Ludwig-Erhard-Gipfel alle Aufmerksamkeit auf sich ziehen wird“, ließ Goetz-Weimer mitteilen.

Der nächste Ludwig-Erhard-Gipfel soll Ende April stattfinden. Unter den angekündigten Rednern befinden sich auch Söder und mehrere Mitglieder seiner Staatsregierung. Absagen gab es bisher keine. Ob sich das ändert, dürfte an den Ergebnissen der Compliance-Untersuchung hängen. „Das gesamte Format gehört auf den Prüfstand – zumindest, was die Teilnahme von Ministern betrifft“, fordert Holger Grieshammer, SPD-Fraktionschef im Landtag.

Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU), ebenfalls als Rednerin für 2026 angekündigt, spricht von einem schweren Vorwurf. „Jedoch reicht ein Vorwurf, ein unbewiesener Verdacht nicht, um meine Zusage für den Ludwig-Erhard-Gipfel 2026 zurückzuziehen“, sagt sie. „Die Vorstellung, dass man sich mit einer Eintrittskarte oder einem 80 000-Euro-Sponsoren-Paket Einfluss auf politische Entscheidungsträger erkauft, ist komplett absurd.“SEBASTIAN HORSCH

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