KOMMENTARE

Trumps Methode, Putins Spiel

von Redaktion

Ringen um Ukraine-Frieden

Falls es Donald Trumps Plan war, seinen Landsleuten an Thanksgiving den ukrainischen Präsidenten Selenskyj als Truthahn zu präsentieren, haben die Europäer ihn fürs Erste durchkreuzt. Geschafft haben sie das mithilfe von US-Außenminister Rubio, dem wichtigsten Fürsprecher, den sie in Washington noch haben. Interessant auch, auf welche der europäischen Führer der erratische US-Präsident noch hört, mit wem er übers Wochenende telefonierte: Es ist Briten-Premier Keir Starmer – und Kanzler Friedrich Merz. Beide haben seit Monaten ganze Süßholz-Wälder gerodet, um Trump zu bezirzen. Das waren gut investierte Mühen, die Merz‘ Vorgänger nicht auf sich nehmen wollte.

Denn es geht ja längst nicht mehr nur um die Zukunft der Ukraine. Auf den Schlachtfeldern im Donbass wird erbittert auch um die Sicherheit Europas gekämpft. Fällt das Bollwerk Ukraine, wird die Regierung gestürzt und Kiew russifiziert, dann kann Putin dort kampferprobte Soldaten rekrutieren, um damit die Staaten Ostmitteleuropas zu bedrohen und gefügig zu machen. Putin will, dass auch in Brüssel künftig Russisch gesprochen wird. Nie wieder sollen dort Entscheidungen gefällt werden, die Moskaus Interessen zuwiderlaufen. Merz und Starmer haben diese tödliche Gefahr für die Freiheit Europas erkannt. Es ist beruhigend, dass laut Rubio die im Ursprungspapier enthaltene russische Forderung, dass die Nato kein weiteres Mitglied mehr aufnehmen dürfe, nach der Intervention der Europäer wieder vom Tisch ist. Denn mit einem solchen Vetorecht für den Kreml hätte sich der Westen Russlands atomaren Einschüchterungen unterworfen.

Auch wenn viel dafür spricht, dass Trump mit seinem 28-Punkte-Plan vor allem von den peinlichen Epstein-Enthüllungen ablenken wollte: Wenn seine Rumpel-Politik dazu führt, dass neue Bewegung in die zuletzt völlig blockierten Verhandlungen kommt, dann hätte der US-Präsident mehr erreicht als die Europäer mit ihren Schwüren zur Verteidigung der Ukraine, die sich zu oft als Lippenbekenntnisse erwiesen. Keiner wünscht sich mehr als die gepeinigten Ukrainer selbst, dass ihr Sterben endet und ihre Opfer nicht vergebens waren. Doch weiß bis zur Stunde niemand, ob Putin wirklich verhandlungsbereit ist. Oder ob er wieder nur eines seiner grausamen Spiele spielt, um den Westen zu entzweien und das Morden ungerührt fortzusetzen.GEORG.ANASTASIADIS@OVB.NET

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