Will mit AfD ins Gespräch kommen: Familienunternehmer-Chefin Marie-Christine Ostermann. © Nietfeld/dpa
Berlin – Der Verband der Familienunternehmer öffnet sich prinzipiell für Gespräche mit der AfD, will aber auf kritischem Kurs zur Partei bleiben. Das stößt auf Kritik, bei der Partei allerdings auf Wohlwollen. Der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der AfD im Bundestag, Bernd Baumann, sagte vor Journalisten in Berlin, es gebe immer mehr Kontakte und Verbände, die Gesprächskanäle suchten. Gerade die Unternehmer wüssten, „wie wir gegen die Wand fahren“. „Und von daher bricht die Brandmauer in immer weiteren Teilen der Republik. Da sind die Familienunternehmer, die es öffentlich gemacht haben, nur ein Teil.“
Der SPD-Wirtschaftspolitiker Sebastian Roloff kritisierte im „Handelsblatt“, eine Partei, die als „gesichert rechtsextrem“ eingestuft sei, könne kein normaler Gesprächspartner sein. „Nur weil gerade viele Menschen, auch aus Frust gegenüber anderen Parteien, der AfD ihre Stimme geben, ist das kein Grund für eine Normalisierung.“
Die Präsidentin des Familienunternehmerverbands, Marie-Christine Ostermann, hatte dem „Handelsblatt“ gesagt, das „Kontaktverbot“ zu AfD-Bundestagsabgeordneten sei mit dem jüngsten Parlamentarischen Abend Anfang Oktober aufgehoben worden. Heißt: Einzelne AfD-Leute waren eingeladen. Bereits im Frühjahr sei im Verband beschlossen worden, „dass wir mit einzelnen AfD-Fachpolitikern ins Gespräch kommen“.
Die Partei müsse inhaltlich gestellt werden. Die Sehnsucht nach ihr könnte demnach verfliegen, wenn deutlich gemacht werde, dass AfD-Politiker unterhalb „toller Überschriften“ oft „inhaltlich blank oder widersprüchlich“ seien. Das zeige sich aber nur im direkten Austausch.
Ähnlich hatte sich Verbandshauptgeschäftsführer Albrecht von der Hagen vor ein paar Tagen bei „The Pioneer“ geäußert, die Brandmauer habe nichts gebracht. „In den Fachaustausch gehen wir jetzt mit ihnen, um ihnen aufzuzeigen: Mit der Wirtschaftspolitik, die sie bisher in ihrem Programm haben, würden wir alle einen phänomenalen Schiffbruch erleiden.“
Mit diesem Kursschwenk hadern jedoch nicht nur Teile der Politik. Die Deutsche Bank etwa will ihre Räumlichkeiten laut „Handelsblatt“ künftig nicht mehr für die Parlamentarischen Abende der Familienunternehmen hergeben. Der Vertrag für eine künftige Veranstaltung sei gekündigt worden, berichtete die Zeitung unter Verweis auf „mit dem Sachverhalt vertraute Personen“.
Die Veranstaltung sollte 2026 erneut in der Berliner Repräsentanz der Deutschen Bank stattfinden. Die Vertragskündigung bestätigte die Bank laut „Handelsblatt“ zunächst nicht offiziell. Zu der Einladung von AfD-Abgeordneten erklärte ein Sprecher lediglich, dass man „keine Kenntnis von der Gästeliste und auch keinen Einfluss darauf“ gehabt habe.