KOMMENTAR

Stinkbombe auf dem Arbeitgebertag

von Redaktion

Unternehmer wollen mit AfD reden

Da haben die Familienunternehmer ja eine gewaltige Stinkbombe mitten in den „Deutschen Arbeitgebertag“ geworfen. Marie-Christine Ostermann, Chefin des Verbands mit seinen 6500 Unternehmen, will mit der AfD ins Gespräch kommen. Und sie hat das, um die Wirkung ihrer Ankündigung zu verstärken, just einen Tag vor dem Berliner Spitzentreffen von Wirtschaft und Politik per „Handelsblatt“-Interview verkündet. Die Brandmauer zwischen Wirtschaft und AfD bröckelt. Entsprechend bedient waren Kanzler und Vizekanzler bei ihrem Treffen mit den anderen Wirtschaftskapitänen. Denn Probleme gibt es auch so schon genug. Drei Viertel der Unternehmer, ergab gerade eine Umfrage, sind genervt von der Regierung, vor allem von SPD-Sozialministerin Bas. Ihre Rede auf dem Arbeitgebertag geriet zum Spießrutenlauf.

Nun kann reden ja nicht schaden. Doch wenn Frau Ostermann mit Alice Weidel spricht, wird sie anderes zu hören kriegen als, sagen wir, von Björn Höcke. Der vertritt anders als Weidel keine wirtschaftsliberale Agenda, sondern eine national-soziale. Die AfD will das Rentenniveau nicht wie Schwarz-Rot bei 48 Prozent des letzten Nettoeinkommens festschreiben, sondern sogar bei 70 Prozent und das aus dem klammen Bundesetat finanzieren. Das passt so gar nicht zu den Erwartungen der Arbeitgeber an eine Reformpolitik, die Betrieben wieder Luft zum Atmen gibt. Auch die EU-Skepsis der AfD dürfte die deutschen Exporteure nicht beflügeln, im Gegenteil. Mancher Betriebsinhaber könnte sich da noch wundern.

Dennoch täuschen sich die etablierten Parteien, wenn sie den Bann, den sie sich selbst gegenüber der AfD auferlegen, auf die ganze Gesellschaft übertragen zu können glauben. Im Mittelstand und großen Teilen der Handwerkerschaft hat die AfD längst Fuß gefasst. Die Wirtschaft stellt sich darauf ein, dass nach den Wahlen im Osten die AfD auch in Regierungsverantwortung gelangen könnte. Deshalb will sie mit ihr ins Gespräch kommen. Auch die Deutsche Bank wird das nicht verhindern können. Die Kündigung angemieteter Räumlichkeiten, in denen sich Familienunternehmer und AfD-Politiker treffen wollten, verspricht vermutlich keinen größeren Erfolg als die Errichtung immer höherer Brandmauern durch die Union.GEORG.ANASTASIADIS@OVB.NET

Artikel 1 von 11