In Peking laufen die Fäden zusammen

von Redaktion

Putin in China

Xi Jinping rollt gerade für allerlei Weltmächte rote Teppiche aus. Kaum ist Trump aus China abgereist, schon schwebt Putin ein. Das ist kein terminlicher Zufall, sondern eine Demonstration von Macht: Chinesische Staatsmedien feiern Peking bereits als den „Brennpunkt der globalen Diplomatie“. Ist da womöglich sogar etwas dran?

Tatsächlich hat sich China in dem geopolitischen Gemenge eine ziemlich komfortable Position erarbeitet. Sowohl Washington als auch Moskau suchen die Nähe Pekings, wenn auch aus völlig unterschiedlichen Gründen. Während Trump mit seinem Systemrivalen Stabilität aushandeln muss, um den Markt (und die Wähler) im eigenen Land zu beruhigen, stattet Putin einen fast schon routinemäßigen Besuch bei seinem „lieben Freund“ ab: Seit dem Überfall auf die Ukraine hängt Moskau an Pekings Tropf.

Die Sanktionen des Westens haben Putin immer tiefer in die Abhängigkeit seines chinesischen Amtskollegen gedrängt. China ist Russlands mit Abstand wichtigster Handelspartner – umgekehrt aber macht Russland nur einen Bruchteil des chinesischen Außenhandels aus. Und obwohl Xi international weiter den neutralen Vermittler gibt, ist längst bekannt, dass Moskau wichtige Technologien wie Drohnenmotoren aus dem Nachbarland bezieht.

Wenn der Kremlchef heute Xi trifft, dürfte er sich seiner Rolle als Juniorpartner bewusst sein. Ihm wird es in erster Linie darum gehen, dass Moskau bei Deals mit Washington nicht übergangen wird. Auf der Agenda steht auch die Gaspipeline „Kraft Sibiriens 2“: Sie soll künftig jährlich bis zu 50 Milliarden Kubikmeter Gas aus Westsibirien bis nach Nordostchina transportieren. Für Russland soll sie europäische Märkte ersetzen. Für Peking hingegen ist sie mehr als nur ein Handelsgeschäft: Das Projekt dient als Absicherung für den Ernstfall. Je stärker China seine Energieversorgung über den Landweg absichern kann, desto geringer wird die Verwundbarkeit durch Blockaden auf See. Denn während Putin auf die Ukraine blickt und Trump auf den Nahen Osten, bereitet sich Xi längst auf einen Konflikt um Taiwan vor.

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