Allein die Deutlichkeit verblüfft. Jordan Bardella, Chef des französischen Rassemblement National, lobte jüngst den Kanzler und distanzierte sich zugleich von der AfD. Ihre extreme Rhetorik, ihre ausgeprägte Europafeindlichkeit, ihr Umgang mit Neonazis seien mit seiner Partei unvereinbar. Zur Erinnerung: Frankreichs Rechtspopulisten und die AfD standen sich mal nahe, der Bruch kam mit SS-Verharmlosungen des früheren EU-Spitzenmanns Maximilian Krah. Bardella macht nun klar: Er ist bis auf Weiteres irreparabel.
Opportunismus eines werdenden Präsidentschaftskandidaten? Seine Abgrenzung weist weniger auf ihn als vielmehr auf das Wesen der selbst ernannten „Alternative“. Europas Rechte rümpfen längst die Nase, wenn es um die AfD geht, die es auch mehr als 13 Jahre nach ihrer Gründung nicht geschafft hat, aus dem nörgelnd-destruktiven Rumpelstilzchen-Modus herauszukommen. Im Unterschied zu ihr haben Bardella, Meloni und andere erkannt, dass entgrenzte Radikalität nicht in die Regierung, sondern in die Isolation führt.
In der AfD gibt es durchaus jene, die meinen, dass man die Partei strategisch so langsam öffnen muss, weg vom Fetisch der reinen, in Teilen extremistischen Lehre, hin zur Anschlussfähigkeit an die rechte Mitte. Zumindest im Außenauftritt hätten sie gerne eine vorzeigbare Partei, weil sie ahnen: Das Momentum ist da, aber nicht durch eigene Leistung, sondern durch die schlechte Bilanz der anderen; und um trotzdem konservative Wähler zu binden, braucht es mehr als Gift und Galle.
Aber am Ende zeigt sich immer wieder, dass die Partei ihre eigentliche Natur nicht abschütteln kann. So ruhig sich etwa die Bayern-AfD gibt, so sehr zoffen sich Partei und Fraktion intern. So friedensbeseelt die Bundeschefs tun, so sehr hängen sie an den Lippen des Kreml-Chefs. Die Kriegsführung der Ukraine sei „absolut fatal“, sagte Alice Weidel jüngst allen Ernstes. Dass das selbst natürlichen Verbündeten wie Bardella zu blöd ist, könnte ihr zu denken geben.